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Thema: Kunstbrut - Historisch

  1. #1
    Avatar von Harald K.
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    Kunstbrut - Historisch

    Die Möglichkeiten der Kunstbrut waren bereits im alten Ägypten bekannt. Von dort aus sollen die Kennntnisse nach China weitergegeben
    worden sein. Auch die Römer sollen die Grundregeln des künstlichen Brüten gekannt haben, jedoch wurden sie von diesen nie im Großen angewanndt . Plinius berichtet hierzu, dass römische Damen zuweilen die Geduld hatten, ein Ei durch anhaltendes tragen am Busen auszu-brüten und daraus dann eine Vorbedeutung wegen des Geschlecht des
    Kindes, mit dem sie schwanger waren, zogen.
    Aristoteles, der älteste Autor, der von der Art, wie in Ägypten Eier aus-
    gebrütet werden , spricht, erwähnt bloß die Verwendung der Wärme des Düngers, um die Eier auszubrüten.
    Antigones, einige Jahrhunderte nach Aritoteles, sagt dasselbe.
    Plinius, der nach Antigones schrieb, wiederholt Wort für Wort die Ausdrücke des Aristoteles. Schließlich schreibt Kaiser Hadrian nach einer Reise durch Ägypten in einem Brief : Sie brüten ihre Hühnchen auf eine Art aus , die ich mich zu sagen schäme.
    Plinius hat die Art des Ausbrütens näher beschrieben:
    Die Eier lagen auf Stroh in einem Ofen, der durch mäßiges Feuer bis zum Augenblick, wo die Hühnchen ausbrochen, erwärmt wurde, während ein Arbeiter dieselben umzuwenden sich Tag und Nacht angelegen ließ.
    Aristoteles drückte sich lange nicht so genau aus. Dieser glaubte noch dass die natürlich entwickende Wärme des Düngers die Eier ausbrüten würde, weil er nicht erkennet, dass es sich bei der Mischung aus Tiermist und Stroh nicht um die Unterlage für die Eier handelte, sondern um den Brennstoff für die Brutöfen.

    Das war der Erste Teil

    Grüße Harald K.
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  2. #2

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    Hat der Mist dann die erforderliche Feuchtigkeit abgegeben und wurde ausgetauscht? Ist ja echt interessant, was die Ägypter und Römer so alles wussten. In der Schule war so etwas "banales" natürlich auch kein Thema. Dabei ist Plinius wahnsinnig interessant mit seinen Beschreibungen. Danke, dass Du so was ausgegraben hast.

    Gruß Stadhuhn

  3. #3
    Gast
    Gast

    RE: Kunstbrut - Historisch

    und heute?? hygrometer, motoren, thermometer.... es geht auch anders.... aber der aufwand....

  4. #4
    Avatar von Harald K.
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    Kunstbrut - Historisch

    Teil II

    Hallo, alle Mitleser

    Beschreibung der Öfen

    Die zum Ausbrüten der Hühnchen bestimmten Anstalten führten den Namen Ma`malsarrug, übersetzt: Hühnerfabrik.
    Das Hauptgebäude war ein mehr oder weniger längliches Viereck,dessen
    Inneres durch einen schmalen Korridor durchschnitten wurde.
    Daran schlossen sich zwischen zwei und zwölf kleine Zimmer auf jeder Seite an, die eine Höhe und Länge von jeweils drei Metern und eine Breite von einem halben Meter hatten. Jedes Zimmer hatte zwei Etagen. Die untere war die Brutkammer. Sie hatte nur eine kleine Tür, die auf den korridor führte. In der oberen Etage wurde das Feuer gemacht. Auch hier führte eine Tür auf den Korridor. Die Nachbaröfen wurden durch Seitenfenster miteinander verbunden. In der Mitte des Fußbodens war eine große Öffnung, um diese herum eine breite Rinne, wohin die Glühenden Kohlen gelegt wurden. Über die Öffnung wurde die untere Etage mitbeheizt. Das Loch in der Zwischendecke war von einem zwei Zoll hohen Rand umgeben, so dass weder Asche noch brennende Materialien auf die Eier fallen konnten. Der Ma`mal wurde aus
    gebrannten oder getrockneten Backsteinen erbaut und immer gut ver-
    schlossen. Statt Fenster hatte er kleine zirkelförmige, in die gewölbte Decke bebrochene Löcher, um den Rauch abzuführen.
    Als Tür diente ein Pförtchen, das mehreren kleinen wohl verschlossenen Zimmern vorangeht. Das erste Zimmer diente den Arbeitern zur Wohnung, welche die Öfen bedienten. Diese durften sich niemals entfernen, solange das Brüten andauerte. Im zweiten Zimmer wurden die Kohlen erhitzt. das Brennmaterial," Selleh " genannt, bestand aus Kamelmist und geschnittenem Stroh, das zu Klumpen geknetet wurde und eine sanfte Wärme abgab, die leicht in beliebige Grade zu teilen war. Die Kohlen wurden erst in die Öfen gebracht, als sie halb verbrannt waren, damit die Heizung keinen ungesunden Geruch mehr von sich gab. Das dritte Zimmer war für die Hühnchen wenige Stunden nach dem Schlupf.

    Das war der zweite Teil, der dritte folgt in Kürze.

    Grüße Harald K.
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  5. #5
    Avatar von Harald K.
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    @ Stadthuhn, wart`s ab , die waren ganz schön klever
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  6. #6
    Avatar von Harald K.
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    Kunstbrut- Historisch

    Hallo, alle Mitleser ...und weiter geht`s
    In den ersten Tagen des Februar wurden die Ma`mals geöffnet. Im Nildelta, wo es weniger heiß war, geschah dies etwas später. Da die Brutzeit,( auch schon damals. Anm. des Verfassers)21 Tage währt, schlüpften die Kücken Anfang März. Zu dieser zeit war die Temperatur bereits so hoch, dass sie ohne besondere Pflege am Leben blieben. Da übermäßige Hitze ebenso schädlich war, konnten nur 3, höchstens 4 aufeinander folgende Bruten erfolgen.
    Sobald man eine hinlängliche Anzahl Eier zur ersten Brut gesammelt hatte, belegte man jede zweite der in den Gebäuden befindlichen Kammern mit Eiern.
    Hierzu trugen alle Einwohner der Gegend ihre Eier in das Ma`mal. Bevor die Eier in die Öfen gelegt wurden,untersuchte ein Arbeiter diese und ein von der Verwaltung beauftragter Schreiber trug sie in ein Protokoll ein.Für 100 Eier erhielt der jeweilige Anlieferer ungefähr 50 Kücken, der Überschuss gehörte dem Eigentümmer des Ma`mal. Gewöhnlich waren
    1/5 bis 1/6 der Eier unbefruchtet und nur selten überstieg die Schlupfrate ohne Versehen der Arbeiter 1/3.
    Diese legten die Eier auf ein Lager von Staub und geschnittenem Stroh
    3-fach aufeinander.Jede Brutkammer fasste 4000 bis 5000 Eier, wenn sie vollständig besetzt waren.
    Anschließend legte man in die Rinnen der darüber befindlichen Öfen glühende Kohlen und verschloss die Öffnungen der Gewölbe, so dass die Kohlen nur langsam abbrannten.
    Zweimal am Tag und viermal in der Nacht erneuerte man die Kohlen. Dies wiederholte man 10 Tage hintereinander.
    2 - 3 mal pro Tag ging der Arbeiter in die inneren Kammern, um die Eier
    zu wenden, ihre Plätze zu verändern und sie nacheinander von den heißesten Stellen zu entfernen. Am 8. Tag untersuchte er alle Eier beim Schein einer Lampe und warf diejenigen weg, die nicht befruchtet
    waren.
    Die Ägypter kannten das Thermometer nicht, so dass der Arbeiter die Temp. nach seinem gefühl regulierte. Die Aufseher der Öfen hatten ihre Kinder oder Verwandten als gehilfen und gaben das Geheimnis, wie die Öfen richtig beheizt wurden, nur in der Familie weiter.
    Am 11. tag verdoppelten sich die Arbeiten, da mit der zweiten Brut be-
    gonnen wurde. Die Arbeiten in den Brutkästen mussten innerhalb von 3 Std. beendet sein, um ein Auskühlen zu vermeiden.
    Von dem Augenblick an, in dem man das Feuer in den Öfen zur zweiten
    Brut anmachte, ließ man das Feuer in den Öfen der ersten brut ausgehen. Diese Öfen wurden dann durch die Wärme der Nachbaröfen
    beheizt

    Ende Teil Drei, Teil vier folgt in Kürze.

    Gruß Harald K.
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  7. #7
    Gast
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    RE: Kunstbrut- Historisch

    einfach interessant zu lesen.

  8. #8
    Avatar von Ines
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    ja, toll, aber das mit dem Drittel und 50 Kücken von 100 Eiern hab ich nicht gerafft.
    LG Ines

  9. #9
    Avatar von Harald K.
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    Kunstbrut - Historisch

    Hallo, alle Mitleser ....und weiter geht`s - letzter Teil

    Vier bis acht Tage vor dem Schlupf wurden die Feuer gelöscht, um die ausschlüpfenden Hühnchen vor den Ausdünstungen des Feuers zu schützen und um die Eier aus den unteren Kammern in die oberen zu legen, um sie besser zu verteilen. Hierzu musste zunächst der Fussboden
    abkühlen. Sodann verstopfte man die äußeren Öffnungen diese "Backstube", um die richtige Wärme zu halten. Da das Mauerwerk der Öfen genug Hitze gespeichert hatte, verblieb die Wärme im Gebäude. Nicht selten schlüpften einige Kücken schon am 20. Tag. Innerhalb von 24 Std. folgten in einer einzigen Anstalt gegen 60.000 Hühnchen, die mit etwas Mehl und gekrümmeltem Brot gefüttert wurden.
    Nach einem Tag wurden die Hühnchen dann an diejenigen abgegeben, die die Eier geliefert hatten bzw. sie wurden verkauft. Die Hühnchen
    wurden in Scheffeln, von der Größe einer viertel Kammer verkauft. Bei dieser Methode erstickten immer einige Kücken, was jedoch eher in Kauf
    genommen wurde als die Mühe, die Hühnchen über mehrere Tage zu ernähren und verschiedene Preise festsetzen zu müssen. Zum Teil wurden die Hühnchen auch nach Stückzahl verkauft.
    In Ägypten gab es entsprechende Einrichtungen für 12 bis 15 Dörfer. Insgesamt gab es zwischen 200 und 400 solcher Brutfabriken, wobei man durchschnittlich auf jedes Ma`mal 10 Öfen rechnete. In jedem Ofen kam es zu durchschnittlich 4 Bruten pro Jahr, d.h. 120.000 Eier wurden ausgebrütet. Grob geschätzt wurden damals jedes Jahr zwischen 20 und 30 Mio. (!) Hühner ausgebrütet.
    Nach dem Verkauf wurden die Hühner in Gruppen von 300 bis 400 Tieren gehalten, wobei sie tagsüber der Sonne ausgesetzt waren. Gefüttert wurde Getreide, Reis und getrocknete Hirse. Nachts wurden sie eingeschlossen und hatten einen Ofen zum Schutz vor der Kälte.
    Nach einem Monat ließ man die Hühner dann mit älteren Tieren laufen.


    ENDE

    Gruß Harald K.
    Das Glück hat Flügel

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  10. #10
    Gast
    Gast

    RE: Kunstbrut - Historisch

    naja, alleine wiesenhof schlachtet täglich 250000 hühnchen.

    aber es ist irre wenn man sich diese hallen mal vorstellt. WOW

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