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Thema: Saisonalitaet der Grippe

  1. #1

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    Saisonalitaet der Grippe

    Hallo Tadorna,
    nach meinen pers. Beobachtungen was ich bisher erfahren habe, kommt es mir vor wie typisches Erkältungswetter bei Menschen.

    In der Schweiz war bis vor kurzem herrliches Wintersportwetter. Fast schon vergleichbar mit den Gegebenheiten auf Rügen 2006. Mit dem Tauwetter brach damals die Seuche aus. Winterzeit ist Geflügelgrippevirenzeit. Vielleicht sollte man seine Bemühungen auf solche Gebiete konzentrieren , wo eine geschlossene Schneedecke ist. An den noch nicht zugefrohrenen Seen müsste oder könnte, ein höherer Infektionsdruck auf die Tiere wirken. Solche Tränken - oder Badesstellen für Wassergeflügel sind im Winter der einzige Ort wo sich Tiere gegenseitige infizieren können .
    Das man mal eine infizierte lebendige Ente gefunden hat, kann nur daran gelegen haben , das man sonst oft zur falschen Zeit am falschen Ort sucht.

    Gruss Klaus

    -------------------------------------------------------------------------------

    Tadorna

    Das wurde auch schon oft debattiert.

    In der kalten Jahreszeit könnten zwei Faktoren zum Tragen kommen.
    1. Wesentlich längere Überlebenszeit der Viren an der Außenwelt.
    2. Schwächung der Tiere durch die Kälte, Nahrungsmangel etc.

    Über die Möglichkeit der Viruskonservierung in den kalten Wasserschichten, Winterzirkulation wurde auch hier schon einiges theoretisiert, aber richtig schlüssig ist das alles nicht.

    Die letzten größeren Ausbrüche fanden außerdem im Sommer statt, wenn auch angeblich fallende Temperaturen, aufziehende Kaltluftfronten etc eine Rolle spielten.

    In den gemäßigten Klimazonen könnte dies so in etwa zutreffen, nicht aber in den Tropen, wo Grippe und AI genauso vorkommen. Hier gibt es auch keine klare jahreszeitliche Häufung.

    Das Biomonitoring scheint derzeit einfach unzuverlässig zu sein.
    Unlängst haben wir gehört, dass jetzt erst eine bessere Nachweismethode im freien Wasser zur Verfügung steht. Vor diesem Zeitpunkt wurde das Thema Virennachweis im freien Wasser kaum thematisiert, und man musste schon sehr intensiv recherchieren, um ein Minimum an einschlägigem Material zu erhalten.

    In diesen Unzulänglichkeiten dürfte auch der Grund liegen, dass bei den Ausbrüchen im letzten Jahr so gut wie etwas über Virusnachweis in der Ausbruchsumgebung zu hören war.

    Im Grunde ist das alles ausdebattiert, neu ist der Nachweis einer äußerlich gesunden, infizierten Ente in freier Wildbahn.

    Steiof und andere werden umdenken müssen. Noch dazu einer Tafelente, die als empfindlich gelten.

    ------------------------------------------------------------

    HCS

    Womit man aber endgültig nicht mehr versteht, wieso fast ausschließlich Massenhaltungen betroffen sind. Bei der (in der Tat sehr wahrscheinlichen) Durchseuchung mancher Wildvogelarten müsste man eher regelmäßige Ausbrüche in Freilandhaltungen erwarten als seltene in geschlossenen Anlagen. Nebenbei würde dieser Befund auch zeigen, dass H5N1 nur unter bestimmten nachteiligen Bedingungen (wie in Südostasien) eine echte Gefahr für die Geflügelhaltung ist. Bei uns scheint das Risiko eines Eindrigens in Hausgeflügelbestände sehr gering zu sein. Womit wir wieder an dem Punkt "Stallpflicht=politischer Aktionismus" angekommen sind.

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    Tadorna

    Zitat:
    Womit man aber endgültig nicht mehr versteht, wieso fast ausschließlich Massenhaltungen betroffen sind. Bei der (in der Tat sehr wahrscheinlichen) Durchseuchung mancher Wildvogelarten müsste man eher regelmäßige Ausbrüche in Freilandhaltungen erwarten als seltene in geschlossenen Anlagen.


    In der Tat. Ein Grund mag wirklich sein sein, dass Tiere in Freilandhaltung eine andere Immunkompetenz haben als in Massenhaltung, zum anderen ist es aber doch ziemlich unwahrscheinlich bzw. selten, dass, bei der offensichtlich geringen Durchseuchung in der WF, Viren ausgerechnet in eine Kleinhaltung gelangen.

    Möglich auch, dass die Mutation LPAI => HPAI, (die in Massenhaltung wahrscheinlicher ist), doch häufiger vorkommt als angenommen. Natürlich sollte ein LPAI Virus genauso wenig wie ein HPAI Virus die Chance haben, in eine Massenhaltung einzudringen. Ich zweifle aber, ob es mit heutigen Mitteln möglich ist, ein solches Eindringen wirklich sicher zu verhindern.

    Immerhin wurde in einer Arbeit aufgezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Huhn, sich mit AI zu infizieren, bei sonst gleichen Bedingungen mit der Größe der Haltung steigt. Die individuenzahl ist also, unabhängig von Rasse, Immunstatus, Haltungsbedingungen etc, schon ein Risikofaktor an sich.

    Aber all das ist ja nichts neues.

    Eigentlich wissen wir kaum mehr als vor zwei, drei Jahren.

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    Klausemann

    Zitat:
    Original von Tadorna
    In den gemäßigten Klimazonen könnte dies so in etwa zutreffen, nicht aber in den Tropen, wo Grippe und AI genauso vorkommen. Hier gibt es auch keine klare jahreszeitliche Häufung.

    Das könnte ich mir mit meinen Laienhaften Verstand so vorstellen.

    In den Tropen sind die Viren kurzlebiger aber auch am Intensivsten vertreten und sie brauchen die Luftfeuchtigkeit als Trägermedium. (Tröpfcheninfektion) . Am Intensivsten deshalb, weil die Ausbrüche durch die Besatzdichte dort förmlich Explodieren. Solche kettenartige "Explosionen" kann man bei uns auch in den Massentierhaltungen beobachten, was mit der Besatzdichte, den Stallklima und natürlich den mangelnden Emunsystem zu tun haben muss.

    Deshalb bin ich davon überzeugt, dass ein und derselber Virustyp durch verschieden klimatische Einflüsse sein Potenzial behält.

    In den Tropen kurzlebig, aber durch seine Häufigkeit einen hohen Infektionsdruck , bei uns in seiner Häufigkeit schwach vertreten , aber durch Kälteperioden lange Infektionsfähig gemacht.

    Wenn das stimmt, dann müssten wir besonders auf der Hut sein, wenn nach einer Geflügelgrippewelle aus Fernost eine mächtige Kältewelle folgt.

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    gsgs

    kuerzlich las ich, dass in den Tropen die Infektion durch Kontakt,
    (Nase, Mund, Augen)
    bei uns aber durch Atmung dominant sein soll.
    (bei normaler Grippe)
    (Palese et.al)

    Das war aber auch noch nicht ganz ueberzeugend,IMO


    http://jvi.asm.org/cgi/content/abstr...325-08v1?ct=ct

    Influenza Ursachen einer erheblichen Morbidität in tropischen Regionen jedoch,
    anders als in den gemäßigten Zonen, Grippe in den Tropen ist nicht stark,
    die mit einem bestimmten Saison.
    Wir haben kürzlich gezeigt, dass das Influenzavirus in der Übertragung von
    Meerschweinchen-Modell ist sehr effizient unter kalten und trockenen Bedingungen,
    Bedingungen, die sind selten in den Tropen.
    Hier berichten wir das Fehlen von Aerosol-Übertragung bei 30 ° C, und alle Feuchten getestet.
    Umgekehrt, die Übertragung über das Kontaktformular Strecke war ebenso effizient
    bei 30 ° C und 20 ° C. Unsere Daten implizieren, dass Kontakt-oder Short-Range
    Verbreitung überwiegt in den Tropen und bieten eine Erklärung für das Fehlen
    eines gut definierten, wiederkehrenden Grippe-Saison, die tropischen und
    subtropischen Regionen der Welt.

    -------
    fragt man sich allerdings, warum keine Kontakt-Uebertragung bei uns im Sommer stattfindet
    Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von gsgs: Heute, 11:39.

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    Tadorna

    Genetische Analysen weisen darauf hin, dass sich die Grippe Viren global verbreiten oder besser gesagt: ausbreiten, sogar auf isolierte Gegenden wie Neuseeland und Westaustralien.

    Dies widerspricht etwas der Annahme, dass die Epidemien Jahreszeitlich getriggert sind und die Viren irgendwo in der Zwischenzeit überdauern. Mangels Daten lässt sich die Frage aber nicht eindeutig beantworten.

    Weiteres Material hier:
    http://www.tufts.edu/med/informid/se...onality-04.htm
    http://www.pnas.org/cgi/reprint/101/48/16915.pdf
    http://jvi.asm.org/cgi/content/full/81/11/5429

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    Klausemann

    Danke Tadorna für die "kleinen" Links.

    Glaubst du das sich das alles jemand hintereinander reinzieht ?
    Ausgenommen gsgs natürlich

    Ich finde solch zubomben mit einer Informationsflut ätzend .

    Nichts für ungut , Gruss Klaus

    ------------------------------------------------------------
    gsgs

    gute kurze Zusammenfassungen werden benoetigt !


    Influenza-A-Infektion erwies sich als stark assoziiert mit einer
    Verminderung der monatlichen Temperatur (r = 0,418, p <.0001).

    Am meisten Grippe in dem Monat nach dem kältesten Monat
    des Jahres (18,1 ± 3,7 Fälle / Mühle. Personen / mnth),
    und während relativ warmen Wintern.

    Die typischen Zwei-Jahres-Zyklus der Saisonalität wurde nicht beobachtet in diesen Daten,

    Influenza-B-und hatte zwei Monate Verzögerung bei Auftreten gegenüber Influenza A.

  2. #2
    Avatar von Klausemann
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    Hallo gsgs,
    eine Besonderheit findet in deiner sogenannten Saisonalität keine Berücksichtigung. Der Faktor Mensch - mit seinen unergründlichen Handelswegen und ich glaube, das ist im Zuge der Globalisierung eine ganz schwerwiegende Komponente.

    Es macht also wenig Sinn Statistiken anzustellen , die durch illegale Fleischtransporte oder Fütterungen, verfälscht werden. Wer will denn heute noch unterscheiden können, zwischen Wildvögelbasierten Ausbrüchen oder Ausbrüchen untypischer Fütterung durch kontamiertes Fleisch ?

    So wird aus deiner Vogelroute schnell eine Handelsroute

    Gruss Klaus
    Zitat: " wir müssen die Kurve der Dummheit flachhalten "

  3. #3

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    Virus vielleicht auch durch Tiefkühlgeflügel übertragbar
    Experte: Kaum Gefahr bei Verzehr von Gebratenem - Erreger stirbt bei 70 Grad
    Berlin - Die Vogelgrippe kann auch durch tiefgefrorene Enten oder Gänse übertragen werden. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, weil der Erreger bei Enten und Gänsen nicht wie bei Hühnern schnell zum Tod führt und deshalb unentdeckt bleiben könnte", sagte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems, Thomas Mettenleiter, dem Berliner "Tagesspiegel" vom Freitag. Mettenleiter reagierte damit auf Vermutungen eines Amtstierarztes, wonach die drei aktuellen Vogelgrippefälle in Brandenburg möglicherweise durch tiefgefrorene Enten verursacht wurden.


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    bezahlte Einschaltung"Da alle drei in den vergangenen zwei Wochen aufgetretenen Fälle private Tierhalter im Berliner Umland betrafen, spricht viel für eine Übertragung des Virus auf diesem Weg", sagte dazu der Amtstierarzt des brandenburgischen Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Matthias Rott, dem "Tagesspiegel". So hätten Hühnerhalter Entenabfälle nach dem Auftauen auf den Kompost geworfen, so dass die Hühner damit in Kontakt kommen konnten, erläuterte Rott, der die Untersuchung der brandenburgischen Vogelgrippe-Fälle koordiniert.

    Erreger stirbt bei 70 Grad

    Auch Mettenleiter warnte deswegen vor dem achtlosen Wegwerfen oder gar Verfüttern roher Geflügelabfälle. Für Menschen bestehe beim Verzehr aber dann kaum Gefahr, wenn das Geflügel gut durchgebraten werde. "Der Erreger stirbt bei 70 Grad", sagte der Wissenschafter des Loeffler-Instituts, das für Deutschland das nationale Referenzlabor für Vogelgrippe ist.(APA/AFP)

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