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Thema: Kampfhuhnrassen und Aggression

  1. #11
    Avatar von cliffififfi
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    Für hyperaggresiv halte ich Kämpfer eh nicht grundsätzlich. Meine Malaienhenne ist in der Herde super lieb und auch nicht sonderlich ranghoch und der dazugehörige Hahn ruht in sich selbst. Eine Schlafmütze ist deswegen trotzdem nicht.

  2. #12
    Avatar von Yokojo
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    Es gibt leider tatsächlich solche extrem aggressiven Kampfhühner, zum Teil genetisch, zum Teil haltungsbedingt.
    Genetisch lässt sich das scheinbar schwer erreichen und keiner von diesen "Leistungszüchtern" würde so einen Hahn abgeben, es werden immer nur die "lieben" Hähne angeboten. Dieses Merkmal der extremen Aggression wird scheinbar von mehreren Genen erzeugt, die sich überwiegend dominant vererben, das heißt züchtet man mit friedlichen Hähnen, bekommt man in der Nachzucht absolut keine Aggressiven mehr.
    Deshalb wissen die ganzen Ausstellungs- und Hobbyzüchter überhaupt nichts von solchen Hähnen.
    Haltungsbedingt werden sie aggressiv, wenn man sie ab den ersten Rangkämpfen einzeln hält, was ja logischerweise das asozialste ist was man sich vorstellen kann. Natürlich aufgezogene Tiere vermeiden einen Kampf und gehen sich, wenn es geht, aus dem Weg.....

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    Geändert von Yokojo (25.02.2020 um 08:17 Uhr)

  3. #13
    Moderator Avatar von sil
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    Zitat Zitat von dashuhn Beitrag anzeigen

    Zuchtbedingte Verhaltensstörungen wie hypertrophierte Aggression sind gut erforscht, dementsprechend gibt es tausende von links, die jeder wirklich Interessierte leicht finden kann (um Nachfragen vorzubeugen).
    Ich habe mal meine Suchmaschine bemüht, die tausenden von links konnte ich leider nicht finden, bestenfalls wurde mir eine knappe Handvoll aufgelistet, die aber keinerlei Bezug zu (Kampf-) Hühnern hatten.

    Zitat Zitat von dashuhn Beitrag anzeigen
    Wichtig für Laien ist zu wissen, dass diese Störungen im Gehirn sind und dort eine andauernde Wirkung haben, selbst wenn der Reizauslöser (also z.B. ein anderer Hahn) nicht vorhanden ist.
    Es ist quasi ein permanenter Übererregungszustand im Gehirn (der äußerlich nicht sichtbar ist, aber messbar ist), der das Tier nie richtig zur innereren Ruhe kommen lässt. Das ist eine Qual als Dauerzustand.
    Das ist sicher nicht falsch, trifft aber auf Kampfhuhnrassen als Verallgemeinerung keinesfalls zu. Im Gegenteil findet man daueraggressive Individuen weitaus öfter bei anderen Hühnertypen.

    Zitat Zitat von dashuhn Beitrag anzeigen
    Es gibt auch ein erlerntes hypertrophiertes Aggressionsverhalten, das aber im Gehirn nur stattfindet, wenn der entsprechende Reizauslöser präsent ist.
    Anhänger von übersteigertem Aggressionsverhalten von Haustieren (z.B. Kampfhuhnhalter mit sog. Sportambitionen) bevorzugen eine Mischung: Tiere aus aggressionsorientierter Zucht werden zusätzlich speziell trainiert.
    Abgesehen davon, daß diese sogenannten Sportambitionen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Kampfhuhnhalter zumindest hier in Deutschland prägen, und das Ausleben dieser Ambitionen zumindest in den Herkunftsländern der Kampfhühner stark von der Tradition geprägt sein dürfte, muß man, wie oben geschrieben, nicht unbedingt Kampfhuhnrassen halten und züchten (auch wenn sie so heißen), wenn man Wert auf Aggressvität legt.

    Zitat Zitat von dashuhn Beitrag anzeigen
    Kampfhuhnhalter, die nur die Optik wollen, sollten wissen, dass das genetische Erbe ihrer Tiere immer auch einen Teil angezüchteter Disposition enthält mit den oben beschriebenen unangenehmen Folgen für das Gehirn und dessen permanenten Übererregungszustand. Den Tieren geht es nicht gut, auch wenn man es nicht sieht.
    Das halte ich, höflich gesagt, für Unsinn. Nur weil ein Huhn einer Rasse angehört, die unter dem Oberbegriff "Kampfhuhn" einsortiert wird, ist es nicht zwangsläufig dauerleidend unter einem Zustand, der ihm nur deshalb angedichtet wird, weil es so gut zum Namen passt.
    "alles zuwider dem Menschen. auf den Äckern wächst das Gras und auf den Wiesen steht nichts." (sagte ein alter Bauer mal)

  4. #14
    Mad Scientist Avatar von Batakie
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    Meine Erfahrungen mit einem Hahn aus " Sportlinie " der auch einzeln gehalten wurde:
    Der Hahn hat nur eine Henne wirklich angenommen. Kam dann eine zweite dazu, hat er sie zwar getreten aber dann auch verjagt. Jungtiere hat er weggebissen ( und man muss schon von beißen sprechen, so wie der zugelangt hat)
    Er war auch sehr scheu, wußte nicht, wie man aufbaumt oder wo hochfliegt.

    Er hat eine Tochter und einen Sohn hinterlassen, damit habe ich eine Rückkreuzung gemacht.

    Der Sohn waraus Naturbrut und immer in der Gruppe, war nicht anders als die anderen Junghähne. Er stand in der Rangordnung auch über einem Hahn, der aus Sportbruteiern geschlüpft war.
    Beide Hähne haben sich in der Gruppe normal verhalten.

    Daher denke ich, das vieles an den Haltungsbedingungen liegt, was extreme Agression ausmacht.

    Was bei Kampfhühnern vorkommt sind , wie Yokojo schreibt, sind einzelne extremagressive Tiere.

    Und was auch vorkommt sind die sehr scharf geführten Rangkämpfe der aufwachsenden Küken. Wenn mal gekämpft wird, dann sehr ausdauernd. Manchen fehlt der Reflex zu fliehen vollkommen.

    Es gibt Freundschaften zwischen Hennen, es gibt Hähne mit Lieblingshennen, Hähne die Küken füttern und manche hudern sogar Küken. Die Glucken sind gute Mütter, sie führen bis zu 3 Monate . Man kann ihnen auch leicht fremde Küken unterjubeln, da sie soo gerne Küken betreuen.
    Wenn sie Küken führen sind sie allerdings mitunter auch sehr agressiv .

    Ich bin der Meinung, diese Hühner können ein gesundes und glückliches Hühnerleben führen, selbst die aus "Leistungszuchten".
    Wenn man sie normal hält, in einer Gruppe, mit Auslauf und die Küken in Naturbrut aufzieht sind es tolle Charaktertiere.




    Zitat Zitat von Yokojo Beitrag anzeigen
    Es gibt leider tatsächlich solche extrem aggressiven Kampfhühner, zum Teil genetisch, zum Teil haltungsbedingt.
    Genetisch lässt sich das scheinbar schwer erreichen und keiner von diesen "Leistungszüchtern" würde so einen Hahn abgeben, es werden immer nur die "lieben" Hähne angeboten. Dieses Merkmal der extremen Aggression wird scheinbar von mehreren Genen erzeugt, die sich überwiegend dominant vererben, das heißt züchtet man mit friedlichen Hähnen, bekommt man in der Nachzucht absolut keine Aggressiven mehr.
    Deshalb wissen die ganzen Ausstellungs- und Hobbyzüchter überhaupt nichts von solchen Hähnen.
    Haltungsbedingt werden sie aggressiv, wenn man sie ab den ersten Rangkämpfen einzeln hält, was ja logischerweise das asozialste ist was man sich vorstellen kann. Natürlich aufgezogene Tiere vermeiden einen Kampf und gehen sich, wenn es geht, aus dem Weg.....

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    Geändert von Batakie (25.02.2020 um 10:48 Uhr)

  5. #15
    Avatar von elja
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    Meine Brügger Henne ist charakterlich das beste Huhn das ich habe. Nie irgendwelches dummes rumgezicke, ruht in sich selber, hasst es, wenn sich andere streiten und beendet das ganz energisch sofort. Sie fordert von den anderen unbedingten und sofortigen Gehorsam und das setzt sie auch blitzschnell durch. Dann fliegen Federn und sofort ist Ruhe.
    Sie ist der Garant für Ruhe und Frieden in der Truppe. Neulich hat sie mal kurz den einen Tuzohahn eingenordet, seitdem ist er auch wieder ein Lämmchen. Im Sommer hat sie für Ruhe bei den Junghähnen (Zwerge) gesorgt.
    Ich hoffe, ich habe sie noch viele Jahre bei bester Gesundheit. Sie ist jetzt vier.
    Sei Wachsam von Reinhard Mey
    ... Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
    „Halt' du sie dumm, ich halt' sie arm!“ ...

  6. #16

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    Schön, dass doch noch sachliche Beiträge kommen.
    Batakie hat in einigen Punkten recht.

    Genetisch ist übersteigerte Aggression tatsächlich schwer zu fixieren. Es braucht viele Generationen mit strenger Selektion. Wo über Generationen nur noch auf Optik gezüchtet wird, verschwindet die Verhaltensstörung allmählich. Aber nicht vollständig. Immer wieder können aus den Tiefen des Genpools hyperaggressive Tiere auftauchen.

    Gleichzeitig tauchen bei Selektion auf übersteigerte Aggression immer wieder überdurchschnittlich ängstliche Tiere auf. Das liegt daran, dass Angst und Aggression zwei Seiten einer Medaille sind.
    Gemeinsam ist beiden Dispositionen, wenn sie übersteigert sind, dass das messbare Erregungsniveau dauerhaft sehr hoch ist. Auch extrem ängstliche Tiere kommen innerlich nicht zur Ruhe. Sie sind wie die extrem aggressiven immer auf Habacht geschaltet. Das ist, wie alle Extreme, auch die von körperlichen Übertypisierungen, nicht gesund. Das Problem ist, körperliche Qualzuchten kann man leichter erkennen als mentale. Leiden tun aber beide Tiere.

    Natürlich ist ein Individuum nicht deshalb automatisch überaggressiv, bloß weil es zu einer Kampfhuhnrasse gehört (bei Hunden ist das natürlich auch so). Aber die Häufigkeit ist im Vergleich zu anderen Rassen stark überproportional. Es gibt Zuchtlinien, Insider der Szene kennen die, die besonders signifikant sind.

  7. #17
    Mad Scientist Avatar von Batakie
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    Wie gesagt glaube ich, das auch diese Tiere aus Insiderzuchten ein glückliches und zufriedenes Leben führen können, wenn man auf ihre Eigenheiten etwas eingeht.
    Solange sie Huhngerecht gehalten werden und nicht in winzigen Hasenställen
    Nicht mit seltsamen Trainingsmethoden traktiert werden
    Und nicht in der Arena kämpfen müssen.

    Ich sage das so, weil ich solche Tiere selber schon mal hatte.

    Wenn du also außer deinen theoretischen Betrachtungen, die warscheinlich nichtmal deine eigenen sind, nichts weiter zu dem Thema zu sagen hast, kannst du mich nicht überzeugen, das Kampfhühner generel leiden.

  8. #18
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    "Theoretisch" ist ein großes Wort für derlei Unfug, wenn man bedenkt, dass eine "Theorie" die Königsklasse wissenschaftlicher Erkenntnis darstellt und akribisch durch Fakten untermauert werden muss, um längerfristig Bestand zu haben...
    "Persönliche Meinung" hätte meines Erachtens völlig ausgereicht...
    Never attribute to malice that which could easily be explained by stupidity (Hanlon's Law)

  9. #19

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    Mich wundert das Unverständnis einiger schon ziemlich. Das sind doch keine Geheimwissenschaften, die ich als erster Mensch offenbare.

    Noch mal einfacher:

    Jeder kennt oder hat doch schon mal von Stress gehört. Von der fight-or-flight Reaktion bei akutem Stress. Nützliche Sache!

    Von chronischem Stress und seine Wirkungen auf Körper und Seele bei Menschen haben die meisten wohl auch schon mal gehört. Böse Sache! Bei Tieren, auch wenn man nicht alles eins zu eins übertragen darf, ist es im Prinzip nicht anders. Das ist tausendfach untersucht.

    Nun gibt es exogenen und endogenen Dauerstress. Der von außen ist auch bei Hühnern sehr gut untersucht. Natürlich nicht unbedingt von Kampfhühnern. Dafür sind die einfach auch ökonomisch nicht wichtig genug. Forschung orientiert sich auch immer an der Relevanz.

    Der von innen kann verschiedene Ursachen haben, z.B. Stoffwechselstörungen im Gehirn, genetische Disposition. Auch das ist bei Menschen und Tieren vieler Arten gut erforscht. Wenn auch noch nicht alle Funktionskreise verstanden werden, so kann man einige Auswirkungen im Gehirn und im Blut sogar messen und sehen (z.B. sind Gehirnstrukturen verändert).

    Man hat z.B. gut dokumentiert, wie die Stresswerte explodieren bei auf hypertrophierte Aggression gezüchteten Mäusen und Ratten, wie diese schädlichen Werte des endogenen Dauerstresses auf die nächste Generation vererbt werden, usw.

    Mäuse und Ratten sind natürlich keine Hühner. Aber die Unterschiede zwischen Mensch und Tier, auch zwischen Säugetieren und Vögeln bezüglich Stressreaktionen sind nicht fundamental verschieden. Deshalb kann man ganz beruhigt schließen, dass ein ständiger fight-or-flight Zustand, der nicht von außen erst ausgelöst werden muss, für jedes betroffene Lebewesen sehr unangenehm sein muss.

    Hier setzt die Verantwortung des Menschen an. Muss er unbedingt solche Kampfrassen halten und vermehren? Selbst wenn er nicht weiter auf Aggression selektiert, so werden alle seine Tiere über Generationen mehr oder weniger das genetische Erbe auszubaden haben.
    Geändert von dashuhn (25.02.2020 um 17:37 Uhr)

  10. #20

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    Und mich wundert, dass Dich das Unverständnis der anderen (und auch meins, im Übrigen) wundert.

    Deinen grundsätzlichen Ausführungen zum konstanten Stresslevel bei psychisch gestörten Tieren kann ich folgen. Wie man oft an anderen Tierarten sieht, ist es zum einen jedoch häufig möglich die Umgebungsparameter für das einzelne Tier so anzupassen, dass es keinen Dauerstress empfindet. Zum anderen ist die pauschalisierende Konsequenz, die Du aus den wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Wirkungen von Dauerstress auf einen Organismus ziehst, für mich überhaupt nicht nachvollziehbar - wie viele Kampfhuhnhalter hier durch persönliche Erfahrungen belegen konnten, sind Hähne dieser Rasse bei artgerechter Haltung nicht häufiger aggressiv oder aggressiver als andere.

    Mein aggressivstes Hähnchen war ein Zwergseidi und ja, der hatte Dauerstress. Er hat sich mit _jedem_ angelegt. Mit den anderen Hähnen, mit jedem Menschen, teilweise sogar mit den Hennen. Und das über einen längeren Zeitraum jeden Tag. Ihn habe ich dem Ofen zugeführt und mit ihm hätte ich auch niemals nachgezogen. Beim Schlachten vielen seine übergroßen Hoden auf.
    Mein einer aggressiver Indiohahn (Kampfhuhnrasse) war für die Menschen eine ganze Nummer krasser und gefährlicher, einfach weil viel mehr Masse hinter seinen Angriffen steckte, aber der hatte keinen Dauerstress. Der ging halt gegen alles, was er als Bedrohung für seine Herde gesehen hat. Aber weder gegen andere Hähne, noch gegen Hennen. Der hatte keinen Dauerstress, glaube mir, als langjährige Hühnerhalterin, die viel im Gehege sitzt und beobachtet, konnte ich das sehr gut unterscheiden.

    Dein pauschalisierendes Fazit zu Kampfhuhnrassen ist also - mit Verlaub - kappes.
    Liebe Grüße

    Jassi

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