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Thema: Hahnenverhalten, aus "ein wenig Hühner-Philosophie"

  1. #1
    Avatar von Okina75
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    Hahnenverhalten, aus "ein wenig Hühner-Philosophie"

    Zitat Zitat von Darwin Beitrag anzeigen
    Für einen Junghahn etwa ist "vergewaltigen" die einzig "sinnvolle" und artgemäße evolutionsbiologische Reproduktionsstrategie; schließlich geben sich die Hennen freiwillig nur dem Alpha hin und der Junghahn kann morgen schon aus der Existenz gefallen sein (siehe oben). Auch für den Althahn macht "vergewaltigen" in diesem Sinne manchmal "Sinn", etwa wenn sich eine Henne des Reviernachbarn in seinen Bereich verirrt hat - in diesem Fall wäre ein mehr oder weniger gewaltsames "Beitreiben" dieser Henne die Option der Wahl - aus Sicht des Hahnes.
    Öhm, was ist denn das sonst als Vergewaltigen, wenn man eine fremde Frau (welcher Art auch immer) gewaltsam gegen ihren Willen nimmt?
    (....)
    Für einen Junghahn ist die beste und effektivste Methode, sich recht früh gegenüber den Hennen zu beweisen, die ihm dann völlig freiwillig folgen und sich auch völlig freiwillig nehmen lassen. Der triebgestaute/ übersteuerte Junghahn widmet ca. 60- 70 % seiner aktiven Tageszeit nichts anderem, als hinter vor allem auch immer den rangniedersten Hennen herzuhetzen und sie ruppig und mit Gewalt zu nehmen.

    Das zeitigt in meinen Augen gleich mehrere Nachteile, die ich hier auch schon (wiederholt und unter gleichen Bedingungen, um dem wissenschaftlichen Anspruch weitestgehend Genüge zu tun...) beobachten konnte:

    a) Irgendwann meiden den Hahn ALLE Hennen, sogar die, die ihn bis dato vllt. freiwillig dran gelassen haben
    b) Hühnerhennen können genau so wie viele andere Vogelweibchen das Sperma eines Männchens sofort nach dem Tritt wieder ausscheiden. Vor allem dann, wenn sie mit dem Partner nicht einverstanden sind.
    c) Der Junghahn achtet kaum auf seine Umwelt, und ist durch seine Triebübersteuerung höchst unvorsichtig, also ein weit wahrscheinlicheres frühes Opfer.
    d) Da es in der Regel die rangniedersten Hennen am meisten und als erste trifft, die meist auch ein eher unsicheres Wesen haben, vermindert sich allein dadurch ein etwaiger Fortpflanzungserfolg nochmals. Weil solche unsicheren rangtiefen Hennen quasi nie ihr Nest ernsthaft verteidigen, und durch die fast ständige Flucht vor dem Hahn auch ihrerseits leichter zum Opfer irgendwelcher Räuber werden können.

    Zu a) Ich hatte so einen Hahn.
    Der war richtig mega übersteuert, und es dauerte wirklich nicht lange, da gingen alle Hennen bereits auf 20 m rennen, wenn er um die Ecke kam. Hörte der im Stall eine Henne ei- gackern, sprintete er los, jagte die Henne und machte sich über sie her. Das fing bei der rangtiefsten an, und ließ nur die Ranghöchste aus, die ihn auch mit 11 Monaten noch verkloppte.

    Zu b) Obwohl er alle Hennen mehrmals am Tag durchnahm, und ich von einer breiten Palette Hennen brütete, hatte dieser Hahn nur exakt einen Nachkommen, was aufgrund der Farbe bestens erkennbar war. Und diesen auch nur von der Henne, die ihn sehr lange noch freiwillig ran ließ (bis am Ende auch sie flüchten ging, wenn er kam). Immerhin war dieser eine Nachkomme eine Henne, deren Linie mir bislang auch nur Gutes brachte in punkto Legeleistung, aber soviel zu der "Chancenerhöhung" wenn ein Junghahn salopp gesagt "Wilde Sau" spielt.

    Zu c) Das bewies ein ebenfalls sehr übersteuerter Niederrheiner Junghahn, der sich ebenfalls auf die rangniederste Henne versteift hatte. Als der an einem Tag bereits zum zehnten Mal auf der Henne hing, die schon kaum mehr Kraft hatte, vor ihm zu fliehen, habe ich ihn kurzerhand direkt von der Henne gegriffen, und 30 Sekunden später war er Geschichte. Diese Hähne haben nur Sex im Sinn und reagieren, wenn überhaupt, nur höchst paradox oder zögerlich auf Verfolgung. Steht man vor ihm und will ihn fangen, zum Stall treiben was auch immer, kapiert er das im Gegensatz zu normalen Hähnen nicht, und will noch dicht an einem vorbei zur Henne, die er gerade im Auge hat.

    Als ganz krasses Gegenteil hatte ich einen Italienermix- Junghahn, der bereits mit vier Monaten die Hennen begleitete, sehr ruhig und wachsam war und schon in dem Alter Wache stand, so dass die Hennen sich ganz dem ihren widmen konnten. Der Fortpflanzungserfolg gab ihm recht, von den in dem Jahr 17 aus eigenen Eiern gezogenen Küken waren sieben von ihm. Was sich an Kamm und Zehenanzahl ersehen ließ, aber auch der Farbe.

    Aus der Praxis heraus kann ich also sagen, dass (und nichts anderes ist es!) Vergewaltigung mitnichten die einzige sinnvolle Alternative für einen Junghahn ist, zumindest einmal Glück zu haben. Klar, er kann am nächsten Tag tot sein. Das ist aber gerade durch seine Art weitaus wahrscheinlicher, als wenn er die Sache ruhig und besonnen angehen würde. Womit Du völlig recht hast, ist das "Mitnehmen was geht" durch Althähne, die eine streunende, nicht zu ihnen gehörende Henne plusminus gewaltsam nehmen.
    Auch das jedoch nicht ohne "Aber": Selbst gewisse Haushuhnrassen, allen voran Kämpfer, dulden nur eine oder zwei Hennen, und greifen fremde Hennen kompromisslos an oder töten sie mitunter sogar... Auch das kann man also absolut nicht verallgemeinern. Mein Althahn ist da moderater, aber auch er duldet einige, vor allem als Erwachsene dazu gekommene Hennen nicht. Aus seiner unmittelbaren Nähe vertreibt er sie und lässt sie ansonsten in Ruhe, aber die Tendenz ist deutlich.
    Ich hatte 2019 von einer Henne eine Nachzucht, die ich jetzt anhand Fußfarbe deutlich dem Althahn zuordnen konnte. Die Mutterhenne kam als schon älteres, gebrauchtes Modell hier an, und er duldete sie auch nicht. Trat sie nicht, verjagte sie, und die allermeisten ihrer Eier waren von dem Zeitpunkt an unbefruchtet, wo keine Junghähne mehr mitliefen. Zwei Jahre hatte es gedauert, bis er sie doch soweit akzeptiert hatte, dass er doch mal drüber rutschte, und von "die Gelegenheit schnell nutzen" kann also nicht nur hier keine Rede sein.

    Zudem müssen wir bedenken, dass wir hier über Haushühner reden, und nicht über möglichst nicht in direkter menschlicher Umgebung lebende Bankivahühner. Hier sind allein durch die Domestikation bedingt wie quasi alle anderen männlichen Haus- und Nutztiere auch, die Hähne oft heillos übersteuert, weil virile Kerle- viel Nachzucht. Nicht zuletzt projizieren einige Züchter ihr Unvermögen auch auf ihre männlichen Tiere/ Hähne, und finden die potentesten die besten überhaupt... Das mag bei normalen Haushennen vllt. auch eine gute Strategie sein, aber sowie man Hühner mit Wildblut oder sehr ursprünglichem Blut hat wie ich, und auch Kämpfer sind noch sehr ursprünglich, beginnt die Sache, sich ganz anders darzustellen.
    Die Henne, die mein erwähnter erster Mega- Vergewaltigerhahn zunächst noch auf freiwilliger Basis hatte, war eine Maranshenne. Einer Rasse also, die durchaus für lebelustige Hähne bekannt ist, um es mal so zu sagen. Ich hatte noch eine weitere Maranshenne und zwei Hybriden, aber die Hybriden sind ohnehin Amazonen, die sich nicht jedem Kerl hingeben, und der große Rest meiner Tiere waren Javanesische Zwerge und deren Mixe. Sowie noch eine Zwergbrakel, die sich als ursprüngliche Rasse aber auch nicht übermannen ließ. Ich finde es bezeichnend, dass dem Hans Dampf in allen Gassen nur mit der Maranshenne seine einzige Nachzucht gelang, während alle anderen Hennen seinen Saft wohl einfach kurzerhand wieder ausschieden.

    Man kann also von Haushühnern sicher nicht ohne weiteres auf Wildhühner schließen, die Du sicherlich in Deiner Antwort bezeichnest. Auch nicht in Hinsicht auf die evolutionsbiologische Reproduktionsstrategie, weil der Mensch natürlich die fruchtbarsten Hähne zur Weiterzucht nahm. Wie auch bei allen anderen Haustieren, wo quasi alle Arten mindestens doppelt so viele Weibchen schaffen (sowie auch brauchen und wollen) wie ihre Wildart- Geschlechtsgenossen...
    Geändert von Kleinfastenrather (02.01.2020 um 21:25 Uhr) Grund: Bitte beim Thema bleiben!
    Habe gerade 1000 Kalorien verbrannt- Pizza im Ofen vergessen...

  2. #2
    Moderator Avatar von Kleinfastenrather
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    Hahnenverhalten, aus "ein wenig Hühner-Philosophie"

    Hallo,
    ich denke die Diskussion um das Verhalten von jungen Hähnen passt besser in ein neues Thema.

    LG Thorben
    Geändert von Kleinfastenrather (02.01.2020 um 21:26 Uhr)
    Ist eine Herausforderung eine Möglichkeit oder ein Problem?

  3. #3
    Avatar von melachi
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    Zitat Zitat von Darwin Beitrag anzeigen
    Für einen Junghahn etwa ist "vergewaltigen" die einzig "sinnvolle" und artgemäße evolutionsbiologische Reproduktionsstrategie; schließlich geben sich die Hennen freiwillig nur dem Alpha hin und der Junghahn kann morgen schon aus der Existenz gefallen sein (siehe oben). Auch für den Althahn macht "vergewaltigen" in diesem Sinne manchmal "Sinn", etwa wenn sich eine Henne des Reviernachbarn in seinen Bereich verirrt hat - in diesem Fall wäre ein mehr oder weniger gewaltsames "Beitreiben" dieser Henne die Option der Wahl - aus Sicht des Hahnes.
    Nein, so eindimensional ist das nicht. Du darfst nicht vergessen: auch die Hennen haben ein Interesse, und das lautet: einen Plan B im Nest. Hennen laden Junghähne durchaus ein. Oder gehen bewußt ins Nachbarrevier. Sie tun das nach meiner Beobachtung gerne heimlich, wenn sie die Möglichkeit haben.

  4. #4
    genannt Kokido Avatar von Huhn von den Hühnern
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    Ein Tier wird immer von seinen (Ur)Instinkten beeinflusst. Jedes noch so brave Pferd sucht bei Gefahr sein Heil in der Flucht.

    Wir haben die Tiere der Natur entnommen und nach unserer Vorstellung verändert. Wir entscheidend, wie die Tiere (auch gegen ihre Natur) leben (müssen)
    In der Natur können die Hennen aber weglaufen und sind den Hähnen nicht ausgeliefert. In meinen Garten haben sie die Möglichkeit nicht. Also muss ich als Mensch die Hennen vor den Übergriffe durch die Hähne schützen. Die Hähne werden auf friedlich und gruppentauglich selektiert.

    Das Junghähne üben müssen ist akzeptabel, aber zu 2. auf eine Henne geht z. B. gar nicht. Die Grenze ist fließend, aber das bin ich den Hennen schuldig und dauer. triebgesteuerte Hähne will ich nicht. Hähne, die an Glucken mit Küken gehen, akzeptiere ich nicht. Egal, ob das jetzt Natur ist oder nicht.
    Geändert von Huhn von den Hühnern (03.01.2020 um 07:48 Uhr)
    Kokido von den Hühnern
    mit der bunten Truppe aus Villa Raptor
    Siehe Thread "Villa Raptor" & "Villa Raptor 2018"

  5. #5
    Avatar von sternenstaub
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    Das was Du Okina beschreibst, habe ich in ähnlicher Weise auch beobachten können. Gut, ich hatte bei meinen Hähnen noch nie richtig übersteuerte (die hätten den Hennen zuliebe auch kein langes Leben gehabt), aber die Hennen legen sehr viel mehr fest, als manch einer ihnen zugestehen mag.
    Ich habe immer wieder beobachten können, dass die zuvorkommendesten, charmantesten Hähne, die waren, denen die Hennen zu Füßen lagen. Ganz krass ist mein Serama-Althahn. Dem steigen die Mädels nach. Die Mädels hocken sich hin, wenn er nur vorbei geht. Manches Mal schaut er dann nur irritiert (Wie? schon wieder?) und geht vorbei an der tretbereiten Henne.

    Bei den Serama laufen immer mehrere Hähne zusammen (werden nur in Stämme getrennt, wenn ich Bruteier sammle - zwecks Abstammung), da kann ich gut beobachten, wer bei den Mädels gut ankommt. Ich habe von Hahn mit leichten Charaktermängeln bis zum Charmeur alles dabei. Alle sind höflich zu den Mädels (kein Treten gegen den Willen, wenig scheuchen in Puterhaltung) und man müsste meinen, dass sie alle die gleichen Chancen haben. Tatsächlich sind die beliebt, die nicht nur höflich sondern charmant (und intelligent) sind. Jene welche sich um die Mädels kümmern - locken, aufpassen, Nester zeigen, begleiten - sind die welche oft treten (dürfen).

    Spannend ist auch, dass sich diese Charaktereigenschaften nicht zwingend vererben. Mein Althahn Floh hat in all den Jahren einen einzigen Sohn gebracht, der seines Vaters würdig war (er hat woanders sein Glück gefunden). Die anderen Söhne waren teilweise nervös und/oder aggressiv.
    Mein blauer Seramahahn Sherry ist kein Charmeur und ziemlich egoistisch (er ist der erste am Napf, nicht zuletzt deshalb bekommt er von den normalen Zwerghennen öfter mal eine drüber), aber einer seiner Söhne (Sandro) ist im Charakter ähnlich zuvorkommen, wie mein Althahn Floh. Mein gelber Seramahahn Robin ist wiederum einer, der sehr zuvorkommend ist. Er hat auch in der großen Gruppe beste Befruchtungsergebnisse. Und die Zwerghennen behandeln ihn ebenfalls nett. Seine beiden Söhne sind nichtssagend.
    Seramahhahn Hannibal läuft bei den Hennen komplett unter dem Radar. Die Zwerghennen ignorieren ihn, von den Seramahennen gibt es nur wenige die seine Nähe suchen.

    Interessant ist auch, dass ein Hahn bei Hennen, die er nicht treten kann (weil er z.B. zu klein ist) wenig zu melden hat. Mein Seramaalthahn Floh kann bis zur Vorwerkmixhenne alles erfolgreich treten, und ist daher als Leiter von den Mädels anerkannt. Die kleinen Seramahähne sind nur in der Lage die Seramahennen zu treten, entsprechend werden die von den größeren Hennen nicht für voll genommen. Ob es einen auf die Mütze gibt, hängt dann aber wieder davon ab, wie rücksichtsvoll der Hahn ist. Der eher egoistische (blaue) Hahn Sherry bekommt ab und an eine drüber. Bei dem netteren (gelben) Hahn Robin konnte ich noch nie beobachten, dass ihn eine der größeren Zwerghennen hackt.

    Interessant ist auch, dass einzelne Hennen Vorlieben für bestimmte Hähne entwickeln. Henne Schneechen mag z.B. Hahn Robin sehr gern und sucht seine Gesellschaft. Henne Maya harmoniert mit dem unscheinbaren Hannibal sehr gut.
    Das zeigt sich auch in den Befruchtungsquoten. Da die Hähne alle ein Nein der Hennen akzeptieren, kann ich so ganz gut nachvollziehen, wer mit wem kann. Hannibal z.B. hat von 4 zugeteilten Hennen offenbar nur zwei Treten dürfen, beide hatten aber sehr gute Befruchtungsquoten. Eine von denen war Maya.
    Geändert von sternenstaub (03.01.2020 um 08:03 Uhr)
    Gruß sternenstaub

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  6. #6
    Wedgwood Lover Avatar von Darwin
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    Zitat Zitat von melachi Beitrag anzeigen
    ...einen Plan B im Nest. Hennen laden Junghähne durchaus ein.
    Meine nicht. Ich hatte mal in Malaysia im Dschungel bei einem indonesischen Bauern gesehen, dass jeder von dessen Kämpfern ein- bis drei Hennen führen und jeder dabei seiner Wege ging. Auf so etwas hatte ich auch gehofft, aber alle meine Hennen sind fast immer beim Alpha; selten schließt sich mal eine der rangniederen der Nummer Zwei an. So sind die anderen Hähne eher "Satelliten" - "wollen" es aber auch sein und verlassen eher "ihre" Henne, um bei der Gruppe bleiben zu können. Ist mir auch recht, weil sie dann "mit" aufpassen können.
    Never attribute to malice that which could easily be explained by stupidity (Hanlon's Law)

  7. #7
    Moderator Avatar von Lisa R.
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    Ich habe ja immer mehrere Hähne zusammen laufen. Da bilden sich jedes Jahr Gruppen. Wenn der Alte vom Junghahn vom Thron gestürzt wird, dann hält er sich in der ersten Zeit etwas abseits von der Gruppe. Dann gehen jedes Mal einige Hennen mit ihm und halten sich abseits der anderen Hähne nur in der Nähe des Alten auf. Meist sind das auch ältere Hennen. Die anderen Hähne lasse sie dann auch in Ruhe.

    Die Junghennen bevorzugen allerdings immer den Chef.
    Die Frau Werwolf sagt: "Des g'hööööööört so !!!
    --------------------------------------------

  8. #8
    Avatar von Okina75
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    Jener erste Mega- Rammler war der insgesamt erst zweite Hahn hier auf dem Hof- leider Sohn des ersten, der aggressionstechnisch gegen Menschen eine ganz schwere Panne hatte, und der demzufolge hier nur zwei Monate älter wurde. Und an dem ich daher sehr viel lernte/ lernen konnte.

    Es kann sich durchaus vererben, aber leider nicht unbedingt, durfte ich dies Jahr auch feststellen.
    Ein Sohn meines Althahns, genetisch ein zufälliger, aber dafür absolut bombastischer Volltreffer (der schwarz geschlüpfte und am Ende quasi cremefarbige Junghahn aus meinem Bilderthema), den ich der Genetik wegen unbedingt als Zuchthahn einsetzen wollte. Zwar als Sohn von meinem Althahn (mal wieder) eher nach dem Buschhuhn geschlagen, also eher überschaubar in der Größe, aber eben super geile Farbgenetik.
    Und ich merkte mal wieder, dass man doch seinem allerersten Bauchgefühl lieber trauen sollte...
    Als ich ihn als Eintagsküken das erste Mal sah, fand ich ihn allein von der Ausstrahlung her "so lala"- schwarzes Küken halt, big deal, nach dem Motto... Auch als befiedertes Küken sprang der Funke nicht sio wirklich über, aber dann entwickelte sich die Farbe völlig unerwartet, außerdem war er spalt scheck, und in Buschhuhn- Optik; genialer ging es genetisch fast nicht. Und als er dann alt genug war, fing er zwar spät mit Krähen an, ging dann aber gleich in die Vollen.
    Komplett mit Hennen im Stall ausdauernd über Stock und Stein jagen, am Ende sie dem Hören nach sogar von oder auf der Stange jagend, und einen Vormittag dann öffnete ich den Stall, Truppe raus, und eine Henne flatterte auf nur einem Bein hinterher, sackte aber nach etwa einem Meter wieder zusammen. Das andere Bein schlackern, bewegungslos, beim genauen Nachkucken war ihr die Achillessehne am Fersengelenk gerissen. Was man erstmal schaffen muss bei einer fitten, gesunden Henne in den besten Jahren...
    Als ich dann die Henne erlöst hatte, hörte ich im großen Ilex, in den die Hühner sich gerne setzen, eine Henne schreien und flattern. Ich dachte "K...cke, nun auch noch der Habicht?", gehe schauen, und da ist dieses unsagbare Aas von Hahn doch ehrlich dabei, sich meine Seidi- Zwerg Welsumermixhenne aus dem Geäst zu pflücken, um sie mal wieder durchzunehmen. Und weil das nun reichte, hatte er in der selben Sekunde sein Leben verwirkt!
    Als ich das Schlachtgerät erneut scharf gemacht hatte, hatte er die Henne dann aus etwa 1 m Höhe aus dem Busch geschmissen, sie wollte noch unter ihm weg, aber ungeachtet der Hanglage er immer drauf, stur "BU...SEN" im Kopf, völlig entartet... Eine Minute später war er bei aller genialen Farbgenetik Geschichte, sowas hatte sich noch nicht mal der erste Mega- Rammler geleistet! Und der war bereits wirklich schlimm, mit den am Ende bereits auf 20 m wegrennenden Hennen.

    Und das bei einem Althahn als Vater und Großvater (auf beiden elterlichen Seiten), die bei den Hennen eigentlich sehr gut ankamen. Das zeigt, dass man in der Selektion leider nie nachlassen darf. Die Aggression gegenüber Menschen ist dabei leichter rauszukriegen als diese völlige Triebübersteuerung.
    Seit meinem genannten ersten Hahn auf dem Hof, der hier dann noch genau zwei Monate überlebte, habe ich alle meine Hähne selber gezogen und bereits beim kleinsten Aufmucken (Weg verstellen, ansatzweise breitseits kommen oder auch nur ansatzweisestes Scheinpicken oder Flügelklatschen an meine Adresse) den Knüppel geschwungen, sowie was am Hahn dran war. Und kein einziger mehr wurde wirklich ausfällig Menschen gegenüber, obwohl ich das Blut jenes ersten Hahns noch in der Truppe habe, wenn auch ausschließlich über Hennen gezogen, um jede Eventualität auszuschließen. Bzw. den letzten Junghahn, der solche Anwandlungen gegen Menschen zeigte, hatte ich vor nun bereits fast sechs Jahren...
    Notgeile Hähne, anders kann man das kaum nennen, weil diese dann auch meist teils erheblich größere Hoden haben als gemäßigtere Brüder, aber treten immer wieder auf. Und da muss man dann, egal welche Reproduktionsstrategie dort dahinter stecken könnte oder auch nicht, im gesteckten Rahmen handeln. Ein Haus- Junghahn kann nicht vom Althahn abgekämpft und in die Pampa geschickt werden, zumal es dem Althahn auch solange relativ egal ist, wie nicht sein Rang direkt in Frage gestellt wird. Er scheucht sie von den Hennen, damit ist es beim Haushahn dann aber auch erledigt. Kein Grund also für den Junghahn, sein Heil woanders zu suchen.
    Und die Haushennen können sich weder durch Fliegen noch Wegrennen der Last erwehren, und müssen die Kiste früher oder später hinhalten, ob sie wollen oder nicht. Das ist ein fast schon pathologischer Zustand, den wir in der Verantwortung haben, schnellstmöglich aufzulösen. Der Natur wäre es wie immer völlig egal, weil bei ihr das (in welcher Art auch immer) unfitte Individuum gar nichts zählt, aber uns darf das nicht egal sein. Weil wir diesen Zustand durch die Haltung veranlassen, also müssen wir auch dafür sorgen, dass da alles im Rahmen läuft.

    Das mit der Akzeptanz zu kleiner Hähne hängt vllt. auch eher mit dem Wesen der Hähne zusammen, als wenn sie beim Tritt erfolgreich "den Ort des Geschehens" erreichen. So akzeptierte meine erste braune Lohmann den Sebrighthahn anstandslos, nachdem er ihr kenntlich gemacht hatte, dass er ein Hahn ist ^^, obwohl der im Leben nicht da dran kam, wo es hin soll (leider, wäre bestimmt eine geniale Mischung geworden).
    Auch mein weißer Buschhahn war eher winzig, und kam zwar auf die Niederrheiner- Walküren drauf, aber nicht im Traum zum Abschluss. Auch das schade, weil auch geniale Mischung gewesen wäre, aber nun ja. Die akzeptierten ihn alle, kam aber leider nur bis (untergroße) Marans was raus bei ihm. Und der Sebright trat strikt nur seine Sebrighthenne- die haben ja aber ohnehin so große Fertilitätsprobleme durch die Hennenfiedrigkeit und auf äußeren Perfektionismus getriebene Inzucht, dass Züchter meistens zwei Hähne in den Zuchtstamm auf drei Hennen stellen...
    Geändert von Okina75 (03.01.2020 um 13:41 Uhr)
    Habe gerade 1000 Kalorien verbrannt- Pizza im Ofen vergessen...

  9. #9
    Wedgwood Lover Avatar von Darwin
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    Zitat Zitat von Okina75 Beitrag anzeigen
    Öhm, was ist denn das sonst als Vergewaltigen, wenn man eine fremde Frau (welcher Art auch immer) gewaltsam gegen ihren Willen nimmt?
    Okina75, ich habe nicht den Gebrauch des Wortes "vergewaltigen" im Bezug auf Hühner kritisiert, sondern die von vielen vorgenommene "Wertung" dieses Verhaltens aus menschlicher Perspektive; darunter fiele dann auch die Wendung "fremde Frau". Und speziell für Dich als Insider: Ist die Frau Skorpionsfliege für Dich auch eine "fremde Frau"?
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  10. #10
    Avatar von sternenstaub
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    Okina, so einen Hahn musste ich Gott sei Dank noch nie erleben. Der einzige Junghahn der hier bis dato extrem Druck hatte, traute sich nicht an die Mädels ran und trat das, was gerade unter ihm war. Wenn es der Boden war, dann eben der. Wenn es ein Schuh war, kam auch der ran. Ich hab ihn wegen diesem Trieb dann zu Tisch gebeten.

    Normal können die Jungs sich hier alle gegenüber den Mädels benehmen. Wäre es anders, wäre das für den jeweiligen Hahn allerdings auch das Ende. Mir ist wichtig, dass die Jungs und Mädels untereinander und zu Jungtieren sehr verträglich sind. Wer da stark aus der Reihe tanzt kommt unter Beobachtung und, falls es nicht besser wird, in den Topf.

    Diese relativ harmonische Gruppe (für Hühner) ermöglicht dann aber auch interessante Beobachtungen. Eben wer mit wem kann (was im Krankheitsfall sehr hilfreich sein kann, weil man dann ein Gesellschaftshuhn passend nach Sympathie aussuchen kann), aber auch soziales Lernen. Und das zu beobachten finde ich extrem spannend. Meine Küken sind zu 95% Handaufzuchten - und das ist auch genauso gemeint. Ich habe vor 2 Jahren dann begonnen, die Kleinen immer früher mit den Erwachsenen zusammenzuführen - zuletzt im vergangenen Frühjahr mit 4-6 Wochen. Seit letztem Jahr habe ich mit Hannibal einen zu Artgenossen absolut freundlichen Hahn, der eher durch Zufall gezeigt hat, das er Küken gegenüber sehr tolerant ist. Der kommt nun zum Einsatz für die Sozialisation, zusammen mit einer Henne (Daisy), die sich als Glucke sehr bewährt hat. Diese Henne ist aktuell nicht brütig, aber zusammen mit Hannibal bei meinen aktuellen Kunstbruties. Und es ist spannend zu beobachten, dass sich die Küken ganz stark an dem orientieren, was die Großen vormachen. Unbekanntes Futter? Erstmal schauen, was die Alten machen. Sobald Hannibal oder Daisy sich das Futter schnappen, stürzen auch die Kleinen darüber her. Hannibal lockt und lässt sich das Futter auch von den Kleinen aus dem Schnabel klauen. Lassen die Alten das Leckerlie liegen, pickt auch keines der Küken hin. Ein Warnlaut und alle verkrümeln sich und sind in Hab-Acht.

    Auch interessant zu beobachten ist, dass Alttiere in meiner Gruppe einen Sonderstatus haben. Mein Althahn Floh ist nicht der Chefhahn. Aber während der Chefhahn gegenüber den anderen Hähnen den Chef auch mal heraus hängen lässt, tut er das gegenüber dem Althahn nie. Floh ist der einzige der direkt gegenüber vom Chefhahn fressen darf, der einzige der keine drüber bekommt, wenn er im Weg steht. Im Gegenteil, der Chef geht (ziemlich dicht, aber ohne Berührung) um ihn herum, während alle anderen weit aus dem Weg müssen. Dass die Rollen getauscht haben, war allerdings ein Zufallsfund. Bis dahin hätte ich Stein und Bein geschworen, dass Floh immer noch Chef ist. Aber im Spätsommer ist der Stab an den Jüngeren weiter gegangen. Damals haben Beschwichtigungsgesten gegenüber dem Chefhahn und Ausweichen den Rollenwechsel verraten - kleine Details halt. Respekt gegenüber dem Chefhahn, der das nicht eingefordert hat. Seither ist Floh eine Art graue Eminenz. Dieser Hahn war aber von Beginn der Geschlechtsreife an faszinierend. Er ist eine Persönlichkeit, strahlt absolute Ruhe und Selbstbewusstsein aus. Er hatte bei den Hennen nie einen Kampf nötig. Mit 5 Monaten zog er von sich aus aus dem Jungtierstall in den Hennenstall und war ab da von den Mädels adoptiert.
    Sandro ist der erste Junghahn, der ein ähnliches Potential zeigt.

    Auch faszinierend ist die Beobachtung, dass Hennen, die nicht brütig sind, locken und so den anderen Futter anzeigen. Das habe ich mittlerweile mehrfach beobachten dürfen. Zuletzt vor ein paar Tagen bei Schneechen und Robin, da hat sie ihm einen Leckerbissen gezeigt. Locken ist offenbar kein Glucken- und Hähneprivileg.
    Gruß sternenstaub

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