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Thema: Ist Ruhe und Rast alleine schon die beste Mast?

  1. #1

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    Ist Ruhe und Rast alleine schon die beste Mast?

    Liebe Hühnerfreunde,

    wer Küken selber grossziehen will, muss sich früher oder später auch um eine sinnvolle Bestimmung der männlichen Tiere Gedanken machen, denn für die weitere Zucht kann man nicht alle Hähne verwenden. Obwohl es den Haltern vielleicht nicht immer ganz leicht fällt, gehört das Schlachten und Essen der artgerecht und gesund aufgezogenen Tiere zu den naheliegenden Optionen.

    Eine einfache und leckere Variante der Verwertung ist z.B. die Herstellung von Hühnersuppe, wobei auch recht festes oder gar zähes Fleisch noch tolle Ergebnisse liefert.

    Um ganz besonders gutes Fleisch zu erhalten, wird manchmal eine sogenannte Endmast durchgeführt und dazu würde ich mich gern mal mit euch austauschen.
    Gemäss dem Motto "Ruhe und Rast ist die beste Mast" werden die berühmten Bressehühner, wie hier ab Minute 3 zu sehen,


    nach einer ausgedehnten Aufzuchtphase auf der grünen Weide noch für eine Zeit in Käfige ("epinette") gesteckt und mit einem Spezialfutter aus Mais und Milchprodukten gefüttert.

    Nachdem meine Glucke begonnen hat, die diesjährigen Junghähne zu attackieren und vom Stall fern zu halten (was ihr aber nicht richtig gelingt), habe ich versuchshalber meine 3 überzähligen Junghähne im gerade freien Kükenstall untergebracht um zu beobachten was sie dort für einen Eindruck machen.
    Der Kükenstall hat einen Auslauf von ca. 2-3 Quadratmetern und einen wetterfesten kleinen Holzstall in den sich die drei abends zurückziehen. Da sie gemeinsam aufgewachsen sind, verhalten sie sich untereinander verträglich und kämpfen nicht.
    Nach diesen Angaben sollte Mastfutter II für Hähne in diesem Alter ca. 20% Rohprotein enthalten.
    Als Futter habe ich ihnen daher zur freien Auswahl gestellt:
    Bachflohkrebse (ca. 45% Protein), gequollenen bzw. gekeimten Mais (8.5% Protein) unter den ich noch Magermilchpulver (35% Protein) im Massenverhältnis 4:1 gemischt habe, sowie reines Wasser, Essigwasser (2% Apfelessig) und Salzwasser (1% NaCl).
    Gemäss den Angaben in dem Text dauert eine solche Mast 8-15 Tage.


    Eure Meinung über und eure Erfahrungen zum Thema Gockelmast (Rahmenbedingungen, Futter, Dauer...) würde mich sehr interessieren.

    Gruss, Oliver
    Geändert von Oliver S. (11.09.2018 um 22:14 Uhr)

  2. #2
    Avatar von Pudding
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    noch für eine Zeit in Käfige ("epinette") gesteckt
    Nur weil die Jungtiere anfangs Auslauf im Freien haben ist diese Käfigmast trotzdem Tierquälerei!
    Wer mit mir reden will, der darf nicht bloß seine eigene Meinung hören wollen.
    von Wilhelm Raabe

    Alle verrückt hier, komm Einhorn lass uns gehen....!

  3. #3
    Avatar von Angora-Angy
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    Ich finde diese Käfige absolut widerlich, egal welch eleganten Namen man ihnen gibt. Hähne in einen separaten Stall zu setzen und gehaltvoller zu füttern als die Schwestern ist ok, solange es sich weiterhin um eine vernünftige Haltung handelt. Mir fehlt leider die Möglichkeit dazu, sonst würde ich die Hähne auch aus der Herde nehmen und anders füttern.
    Liebe Grüße, Angela
    1.5 Chabo, 0.2 Javanesische Zwerge, 1.2 Zwergmix, 0.1 Vorwerk, 0.3 Zwergwelsumer, 0.1 Zwergsulmtaler, 0.1 Zwergamrocks, Voliere: 3.7 Serama/Chaborama/Bantam
    Wachteln, Kaninchen, 1.1 Hunde, 1.0 Katzen, 0.1 Moschusschildkröte

  4. #4
    Avatar von Mara1
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    Mich würde mal interessieren, ob man ernsthaft einen Unterschied schmecken würde, wenn man die Bressehähne nicht am Ende ihres Lebens noch 1-2 Wochen lang in solche tierquälerischen Käfige stopft. Ich kann es mir nämlich garnicht wirklich vorstellen. Das scheint mir eher so ein Traditions-Dingens auf Kosten der Tiere zu sein. Das mit dem anderen Futter kann man auch ohne die Käfige durchführen. Aber das ist es ja, was du gerade probieren willst, wenn ich dich richtig verstehe. Mit zumindest kleinem Auslauf und Mastfutter.

    Wenn ich mir die Bressehähne in den engen Käfigen so anschaue, das muß doch Streß pur sein für die Hähne. Das scheint mir ein ziemlicher Widerspruch zu sein, daß dadurch das Fleisch besser werden soll. Es heißt doch immer, daß die Fleischqualität leidet, wenn die Tiere vor oder bei der Schlachtung viel Streß haben. Und da soll es gut für das Fleisch sein, die Hähne 1-2 Wochen lang unter Dauerstreß zu setzen?

    Unsere Hähne laufen bis zum letzten Tag draußen herum, anders würde ich das auch nicht haben wollen. Wenn sie schon ihr Leben lassen müssen für unser Essen, sollen sie es wenigstens bis zuletzt so schön wie nur möglich haben.

    LG
    Mara

  5. #5
    Avatar von sternenstaub
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    Neben dem Aspekt, dass die Käfige, auch wenn es nur ca.2 Wochen sind, alles andere als tiergerecht sind, frage ich mich, was das Spezialfutter bringen soll.
    Ich bezweifele, dass da noch viel an Muskelmasse zuwächst, eher wird wohl Fett zu erwarten sein. Muskeln wachsen durch die Beanspruchung. Wenn die sich nun nicht mehr bewegen können, dann dürfte eigentlich ein Abbau der Muskelmasse zu erwarten sein, auch wenn sich das in der kurzen Zeit nicht so stark auswirken dürfte. Sicher, das Endgewicht ist höher, aber m.E. eher durch Fett als durch Muskeln.
    Kurz: Es erscheint mir mehr Glauben als Wissen zu sein.
    Gruß sternenstaub

    Das Los des Anfängers ist es, Fehler zu machen. Und Erfahrung hat man sowieso erst nachdem man sie braucht.

  6. #6
    Avatar von kükenei
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    Ich halte da auch rein gar nichts von und empfinde es als Tierquälerei.
    Unsere Hähne werden versucht zu vermitteln und leben ansonsten in einer Junggesellen-Gruppe bis zum Schlachttermin im eigenen Gehege. Haben also täglich ausreichend Auslauf, Grünfutter und frische Luft.
    Ich vertrete die Meinung, das man "glückliche" Hähne und "frische Luft" auch schmeckt.
    Liebe Grüße Kükenei

    Intelligente Sätze zu formulieren ist gar nicht so einfach.
    Schon ein einziger Buchstabendreher kann einen ganzen Satz urinieren.

  7. #7

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    Durch die entsprechende gehaltvolle Mais-Milch-Fütterung (um es nur kurz zu beschreiben, gibt ja auch andere Varianten) sollen die Tiere noch etwas an Gewicht zulegen und vor allem soll sich Fett im Fleisch einlagern, für mehr Geschmack und Saftigkeit.
    Ob das tatsächlich so geht... keine Ahnung, aber so wird es beschrieben.
    1.6 große Orpington in gelb-schwarz-gesäumt(aus 2017 und 2018 )
    32 Große Wyandotten in schwarz-goldgesäumt und spalterbig aus blau-goldgesäumt(Schlupftag 18.05.2019)
    suche Hahn weiß-goldgesäumt-kein splash, nicht von blau-goldgesäumten Elterntieren

  8. #8
    Avatar von LittleSwan
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    wenn ich es richtig verstehe, wird dann ja recht proteinhaltiges Futter verabreicht. Die Hähne werden auch gar nicht so lange gehalten, sprich: insgesamt nicht so alt. Die Endmast dauert doch nur so 2 Wochen ...
    Das heißt, es soll zartes Fleisch produziert werden. So VIEL Fett wird das eher nicht.

    Ob es so funktioniert, kann ich nicht einschätzen.
    Ich weiß nur, dass die Bresse an sich sehr agil sind. Ein lebhaftes Huhn, dass sich gern und viel bewegt, derartig einzusperren, finde ich schon heftig.
    Masthähnchen, die recht schnell wachsen und sehr groß/dick werden, haben schon ob ihres Eigengewichtes nicht so einen großen Bewegungsdrang ... die liegen sowieso am liebsten vor dem Futternapf. Aber das kann ja auch nicht das Ziel sein.

    Die Asiaten z.B. bevorzugen das bewegte Fleisch an den Knochen. Sie ziehen es also zum Beispiel dem (trockenen) Brustfleisch vor. Also, selbst wenn man die Bresse hochwertig füttert, wäre in dem Fall eher wünschenswert, dass sich das Tier trotzdem gut bewegen kann. So unterschiedlich kann die Philosophie sein ...

  9. #9

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    Hallo vielen Dank erst mal für die vielen Rückmeldungen die auch in etwa meinem ersten Eindruck von dieser Art Mast entsprechen.

    Zitat Zitat von Pudding Beitrag anzeigen
    Nur weil die Jungtiere anfangs Auslauf im Freien haben ist diese Käfigmast trotzdem Tierquälerei!
    Ich habe mich da auch gewundert: Bei den Legehennen wird die Käfighaltung verboten und bei den Bressehühnern ist sie scheinbar sogar obligatorisch:
    Hier ab Minute 9:30 erklärt ein Züchter dass das für die Fleischqualität wichtig sei er sagt da "sans gras il n'y a pas de gout" also "ohne Fett gibt es keinen Geschmack":


    was dann auch Maras Fragen zum Teil beantwortet:

    Zitat Zitat von Mara1 Beitrag anzeigen
    Mich würde mal interessieren, ob man ernsthaft einen Unterschied schmecken würde, wenn man die Bressehähne nicht am Ende ihres Lebens noch 1-2 Wochen lang in solche tierquälerischen Käfige stopft. ...
    Wenn ich mir die Bressehähne in den engen Käfigen so anschaue, das muß doch Streß pur sein für die Hähne. Das scheint mir ein ziemlicher Widerspruch zu sein, daß dadurch das Fleisch besser werden soll. Es heißt doch immer, daß die Fleischqualität leidet, wenn die Tiere vor oder bei der Schlachtung viel Streß haben. Und da soll es gut für das Fleisch sein, die Hähne 1-2 Wochen lang unter Dauerstreß zu setzen? ...
    ... umgekehrt würde ein Schuh daraus: Weil die Fleischqualität besser wird, ist es vielleicht nicht so ein Stess wie es den Anschein hat. Wenn ich mir meine drei Jungesellen im Kükenstall (allerdings mit etwas Auslauf) anschaue, machen sie keinen gestressten Eindruck sondern erinnern mich eher an diese gewisse Art Urlauber die man z.B. auch am Ballermann in und vor ihren Betonkäfigen 2 Woche nicht viel machen aber viel essen und trinken sieht.

    Gequält sehen sie bisher jedenfalls nicht aus, zumal die älteren Hühner die youngsters hier nicht mehr scheuchen und können.

    Gruss Oliver

  10. #10
    Avatar von Luci
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    Meine Junghähne laufen bis zum letzten Tag in der Gruppe (1000qm Auslauf).
    Das Fleisch hat eine so großartige Qualität, ich bin der Überzeugung, Lebensfreude schmeckt man.
    Gefüttert wird das Bio- Standardfutter.
    Abwechslungsreiches Futter, wenig Stress (auch beim schlachten), Zubereitung und Rasse machen sicher mehr an der Qualität aus als14-Tage-Käfigstress.

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