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Kükenmutti
19.06.2013, 11:16
Ein Jahr lang lese ich jetzt schon regelmäßig in diesem netten Forum rund um Hühner und ich wüsste nicht, was ich ohne die diversen Informationen angefangen hätte! :jaaaa: Gute und vor allem so ausführliche Bücher gibt es meines Wissens nicht. Nun möchte ich auch etwas zurückgeben und vor allem von meinen Erfahrungen mit der Aufzucht von Mastküken mit einer Glucke berichten, denn da hab ich relativ wenig hier gefunden, vielleicht kann ich ja was beitragen …

UNTERSCHIEBEN DER KÜKEN: Das funktionierte super! Abholung nachmittags -> unter die Wärmeplatte, spätabends unter die Glucke zu den zwei Naturbrutküken. Die Glucke hat sie anstandslos angenommen.

FÜTTERUNG: Entschied mich leider für einen Starter und für ein Mastfutter mit Coccidienstatikum. Leider deshalb, weil es mühsam war, das Mastfutter von den anderen Tieren fernzuhalten (unter die Obstkiste, in ein Gatter, …), die das ja vor allem wegen der Eier nicht fressen sollten. In Zukunft werde ich darauf verzichten und hoffen, dass es gut geht. Meine Küken hatten Freilauf und verdünnten die Dosis dann ohnehin auch noch mit dem Futter der Großen. Somit hatte es wahrscheinlich sowieso keine medizinische Wirkung.

FÜHRUNG MIT DER GLUCKE: Die ersten 2-3 Wochen klappte alles super! Die Küken waren vital und unterschieden sich abgesehen von der Größe kaum von der Naturbrut. Aber dann gingen die Probleme los: Leider hatte ich im Mai (!) mit sehr kühlen Temperaturen und viel Nässe zu kämpfen. Denke, „normale“ Küken hätten damit weniger Probleme gehabt, aber für die Mastküken endete es beinahe tödlich: Die Küken wurden so enorm schnell groß, dass die Befiederung bei weitem nicht mitkam und sich der Flaum „verdünnt“. Über einen längeren Zeitraum hatten die Küken viele nackte Stellen. Nicht nur dass das nicht sehr hübsch aussieht, es wurde ihnen auch viel zu schnell kalt. Das Unterschlüpfen unter die Glucke gestaltete sich schwierig. 2 normale Küken, 6 Mastküken, sollte sich ja ausgehen. Leider nein. Die waren sooo groß, das ein Unterschlüpfen bald nicht mehr möglich war. Somit musste ich sie an besonders nassen und kalten Tagen in die Voliere sperren. Die Glucke marschiert auch bei feuchtem Wetter raus, sie nimmt keine Rücksicht darauf, dass sie so mutierte Kinder aufgebrummt bekommen hat ;) Ende der dritten Woche hatte die Glucke genug. Sie wollte nicht ständig mit den Mutanten in die Voliere und ich entließ sie in ihre wohlverdiente „Freiheit“.

GESUNDHEIT: Der Herr, von dem ich die Mastküken habe meinte, dass das sehr wahrscheinlich nicht gutgeht, wenn ich die Küken unterschiebe. Sie würden sich mit allerlei Krankheiten/Viren etc. von der Glucke anstecken. Diese Befürchtung hat sich gut sei Dank nicht bewahrheitet. Ich hatte nur einen Ausfall am zweiten Tag und den schreibe ich dem Geflügelhändler zu (die Eintagesküken waren für einen halben Tag ohne Wärmequelle in einer Garage in einer Schachtel). Dagegen hat sich ein anderes Problem aufgetan, witterungsbedingt, siehe oben. Die Küken bekamen schlimmen Schnupfen. Anfangs befürchtete ich Schlimmeres und eine Ausbreitung auf die Großen. Es blieb beim wirklich grauslichen Schnupfen aber als die Witterung besser wurde besserte sich GsD auch der Zustand der Tiere.
Anfangs dachte ich, die bekannten Beinprobleme blieben uns erspart. Aber ab der 4.-5. Woche wurden die Küken zusehens immobil. Ich wollte die Mastküken selber großziehen, damit sie unseren Freilauf genießen können und ich guten Gewissens behaupten kann, dass diese Hühner ein gutes Leben hatten. Ich hätte ihnen 5000 m² zur Verfügung stellen können, sie wären nicht in der Lage gewesen, es zu nutzen. Bis zur 3. Woche gings noch und ich hatte meine helle Freude, dem Gewusel gemeinsam mit den Großen zuzusehen. Dann verließen sie nicht einmal mehr den Stall (es ist eine Rampe zu bewältigen) und saßen letztendlich nur mehr an einer Stelle. Offensichtlich konnten sie ihr Gewicht nicht mehr so lange tragen. :(

STALLHYGIENE: Auch hier kamen die Probleme gegen Ende. Da sich die Küken nicht mehr nach draußen bewegten verkoteten sie den ganzen Stall, ich musste ständig Stroh abheben um die Bedingungen und den Geruch ertragbar zu machen. Mir grauste ganz am Ende auch vor den Hühner selbst, die permanent mit ihrem Bauch auf dem Kot lagen. Bei unseren „normalen“ Hühnern finde ich das eben toll, dass die hauptsächlich nächtens in die Kotwanne koten und der Stall tagsüber halbwegs sauber bleibt.

CONCLUSIO: Ich bin froh, dieses Experiment gemacht zu haben, bin mir aber auch sicher, dass ich es nicht wiederholen werde. Ich habe den Unterschied zwischen „normalen“ Küken und Mastküken gesehen. Ich dachte, ich könnte das Wachstum durch Freilauf und weniger Mastfutter bremsen und die Mast so verlängern auf ca. 12 Wochen. Es ist mir nicht gelungen. Mit 6 Wochen haben wir sie geschlachtet, Lebendgewichte zwischen 1,8 kg und 2,3 kg und einer Schlachtausbeute von 1,2 kg bis 1,6 kg küchenfertig. (Es war übrigens unser erstes Schlachten und wir waren super nervös, vielen Dank an die wertvollen Tipps hier im Forum, ich glaube sonst wär es nicht so „sauber“ abgelaufen).

Denke als Hobbyhühnerhalter kann man getrost die Finger von Mastküken lassen, diese Qualzucht ist hier meiner Meinung nach fehl am Platz (wie nicht überall anders auch?…). Ich habe Platz, Zeit und Geld, den Küken die Möglichkeit zu geben artgerecht und normal zu wachsen. Habe nun Experiment zwei am Laufen. Bruteier von Marans, Sulmtalern und eigenen Amrocks im Brutapparat. Zwei Glucken sitzen schon parat, hoffe sie halten durch (die Glucken haben sich erst gesetzt, als ich den Apparat schon gestartet hatte). Werde nun versuchen, Rassehühner mit der Aussicht auf Fleischansatz großzuziehen und so zu meinem heißersehnten Brathähnchen aus „glücklichem“ Fleisch ;) zu kommen :)
So, mein Roman ist zu Ende.
Sollte es jemand durchgehalten haben, Danke fürs „Zuhören“ ;D

Moni72
19.06.2013, 11:58
Hallo,

ich habe ähnlich Erfahrungen gemacht wie Du.
Allerdings hatte ich sie nie bei einer Glucke.

Meine gingen jedoch bis zum letzten Tag immer aus dem Stall, machten aber längere Liegepausen.

Der größte Broiler von uns hatte ausgenommen 3,7kg. Das war grenzwertig, denn ihm machte das Laufen wirklich Probleme.

Das mit dem Koten habe ich ähnlich erlebt, allerdings waren meine Tiere nicht beschmutzt. Aber selbst die Rampe und der direkte Bereich vorm Hühnerstall waren immer dick zugekotet. Draußen habe ich das regelmäßig mit dem Wasserschlauch weggespritzt und innen habe ich bis zum Umfallen gemistet. Das wollte ich eigentlich auch nie mehr.

Ich habe mich dann so auch für eine Zwiehuhnrasse entschieden.

Allerdings haben wir dieses Jahr nur 7 eigene Hähne erbrütet. 3 davon bleiben zur Zucht und mit Vieren werden wir kein Jahr lang satt.:-X

Deshalb werde ich morgen doch wieder fahren und mir 15 Broiler kaufen. Diesmal habe ich aber mehr Stallfläche, die Außentemperaturen sind besser (die letzten hatten wir im Oktober, das war schon fast zu kalt) und als Einstreu werde ich Sand austesten, den ich abrechen kann.

Und dann sehn wir mal........

Wir haben aber seit dem kein gekauftes Brathähnchen mehr gegessen. :)

bunteent
19.06.2013, 12:12
wir haben auch regelmäßig masthähnchen und bei nasskaltem wetter sind sie echt empfindlich. werde deshalb auch keine mehr über den winter halten.

was hast du deinen denn gefüttert wenn sie so schnell bewegungsprobleme bekamen? meine sind jetzt zwei monate und rennen(!) überall rum. füttern gerste und etwas kartoffeln. damit werden sie dann ca vier monate alt. dann wenn wir merken sie können nicht mehr so wird geschlachtet, dann haben sie küchenfertig 3500g.
habe hier sogar noch einen mastgockel rumrennen der bald seinen ersten geburtstag feiert.

gruß
danny

hagen320
19.06.2013, 12:18
Die hatten wir auch mal, obwohl sie dann erstmal Wochenlang in Sibirien waren hatte ich immer wieder das Bild der armen Kreaturen vor Augen wenn sie auf den Tisch kamen. Wirklich geschmeckt haben sie mir nicht.
Es gibt ja noch die langsam wachsenden Masthybriden, CU Nu und Retro Masthähnchen. Bei mir fallen durch die Nachzucht soviele Rassetiere an das kaum in die Versuchung kommen werde welche zu kaufen. In diesem Jahr werden es an die 130 Hähne und dazu kommen noch 40 Puten. Die ich jetzt zum schlachten gegeben habe wogen mit 20 Wochen zwischen 2,4 und 3Kg, muß direkt mal wiegen was nach geblieben ist.
Deine Rassehähne wirst Du aber in diesem Jahr nicht mehr wirklich groß bekommen, die sollten bis spätestens Aprill geschlüpft sein. Die Tage werden jeden Tag kürzer und ab Oktober wachsen sie kaum noch.

Kükenmutti
19.06.2013, 13:28
Danke für eure Antworten/Erfahrungen!

Ich glaube auch, dass bei mir zweierlei Faktoren die Bedingungen verschlechterten:
Zum Einen die Haltung gemeinsam mit den Legehennen (Futter, Kot) und zum Anderen die Tatsache, dass sie am Zweitwohnsitz gehalten werden. Sie sind zwar bestens versorgt und meine Eltern kümmern sich an den Tagen, an denen ich nicht da bin, aber ich konnte aus beiden Gründen die Fütterung offensichtlich zuwenig drosseln bzw. steuern.

@bunteent: Du fütterst nur Gerste und Kartoffeln. Sonst nix? Also kein Weizen, Mais, Mastfutter, ...

Wenn noch mal Mast, dann vielleicht die von hagen320 erwähnte langsamer wachsende Rassen. Hat jemand Erfahrungen damit im Vergleich mit den konventionellen? Ausserdem bräuchte ich einen eigenen Stall mit evtl. eigenen Auslauf, wegen dem Ausmisten. Und mit Glucke macht das nicht wirklich Sinn, denn wenn ich den Aufwand betreibe, dann würde ich natürlich eine größere Menge nehmen und die kriegt sie dann erst nicht unter.

@hagen320: Ja, mir ist klar, dass das mit Brathähnchen bis auf die, die ich eingefroren hab, nix mehr wird :unsicher Schlupftermin ist der 1.7., habe so mit 6 Monaten gerechnet. Kommt das hin? Bin noch ein wenig unsicher, wie das sein wird, wenn dann lauter halbwüchsige Hähne (die auch zu beginnen zu Krähen :o) herumlaufen und kämpfen ... Hoffe, dass sie dann schon soweit zugelegt haben. Sonst ist mir die Zeit egal, hatten schon ewig kein Hühnerfleisch mehr aus oben genannten Gründen, daher: Jeder Braten der kommt, egal wann ist willkommen ;D

hagen320
19.06.2013, 13:57
Im Winter krähen sie nicht soviel und dann haben die Leute ja auch die Fenster zu.
Kommt darauf an wie Du fütterst, ich finde das die bis zur 15 Woche recht gut wachsen aber dann geht die Klopperei los und sie fressen weniger und nehmen weniger zu. Licht im Stall bringt natürlich auch noch was. Ist ja auch die Frage wieviele es sind und ob sich ein gewisser Aufwand überhaupt lohnt.
Ich würde sie bis zur 6-8 woche mit einem guten Kükenstarter füttern, danach Kükenstarter oder Mastfutter mit Körnermischung mischen. Reines Mastfutter bringt bei Rassetieren nur starken Fettansatz. Die letzten 3-4 Wochen fütter ich dann nur Körnermischung. Ich kann Dir aber nicht sagen ob das auch so spät im Jahr funktioniert.
Ich habe gerade die ersten 20 zum schlachten gebracht, das mache ich jetzt alle drei bis vier Wochen und die letzten gehen Ende September oder Anfang Oktober.

Kükenmutti
19.06.2013, 14:10
Wenn ich jetzt richtig mitgerechnet haben, dann sind die, die du jetzt zum Schlachten geschickt hast, Mitte Februar geschlüpft? Wäre also für nächstes Jahr ratsam Ende Jänner Eier zur Glucke oder in den Brüter? Um die Zeit des Wachsens in die wärmere Jahreszeit zu verlegen? Aber sind die Eier denn befruchtet, wenns so kalt ist?

hagen320
19.06.2013, 14:25
Die sind von Anfang Februar.
Es kommt ja darauf an wieviele Du ziehen willst und mit welchem Aufwand Du es machen kannst. Ich habe in diesem Jahr über 250 Hühnerküken gezogen, da läuft der Brüter ab Anfang Januar. Du mußt dann natürlich auch mal mit so einem langen Winter wie in diesem Jahr rechnen, das macht viel extra arbeit. Bei mir ist aber das Problem das ich die Tiere in zwei schüben groß ziehe da ich sonst nicht genug Platz habe, ich möchte keine kahlen stinkenden Ausläufe.
Wenn Du nur wenige Tiere ziehen willst die die grünen Ausläufe nutzen sollen und möglichst wenig arbeit machen sollen, dann würde ich den Schlupftermin auf Ende März legen.

bunteent
19.06.2013, 14:37
ja bei mir gibt es nur gerste und kartoffeln. plus den ganzen tag wiese und wenn mal was aus der küche abfällt.

aber deine neuen küken könnten noch werden. habe als legehennen dresdner und da haben wir die hähne mit vier monaten geschlachtet da hatten sie küchenfertig auch 1500g. und die wurden nicht extra gemästet sondern bekamen das oben genannte.

und der geschmack von masthähnchen und dresdnern war super, ich denke das liegt auch daran wie sie gefüttert werden ob sie schmecken...

danny

Rorindel
19.06.2013, 14:55
Ahoj,
bevor ich auf die Bresse stieß habe ich meinen Brahmaglucken auch immer 10 Mastküken gekauft. Die führten sie immer so um die 9 bis 12 Wochen. Dann allerdings im Freilauf bei allem anderen Geflügel. Gefüttert wurde drei mal am Tag, zu beginn Kükenstarter, dann dabei gekeimtes Getreide - Weizen und Gerste. In die Tränken kamen zusätzlich noch Calziumtabletten. Krank oder zu kalt wurde mir bei Gluckenführung nie eines.
Da die Masthühner immer Hunger haben darf man ihnen nicht unbegrenzt Futter zur Verfügung stellen sonst werden sie zu schnell zu schwer und bekommen Gelenkprobleme. Durch den Freilauf trainierten sie immer gut die Muskeln und füllten den Kropf auch mit Gras, dadurch waren sie recht zufrieden und wuchsen nicht zu explosionsartig. Trotzdem bin ich froh eine andere Möglichkeit gefunden zu haben so das ich nicht mehr diese Küken kaufen muss.

Grüßle
Rorindel

Kükenmutti
19.06.2013, 14:59
@hagen320: Wow, das sind Dimensionen :o Nein, bei mir muss das im Kleinen laufen. Bin aber auch mit einem Braten ab und zu zufrieden. Der Hühnerstall ist ein ehemaliger Stierstall mit 35m² Innenfläche, draußen gibt es einen umzäunten Auslauf (100 m²) mit einem Netz wegen dem Habicht, die Hühner dürfen aber auch in den unbegrenzten Freilauf, vom Frühjahr bis in den Herbst. Das heißt ich habe momentan keine Möglichkeit für einen extra Stall und Auslauf für Jungtiere / Masttiere. Die Nachzucht läuft dann ab ca. 3-4 Wochen mit der Legetruppe (Sundheimer, Italiener, Amrock, Grünleger, ...) mit. Denke mit Schlupf Ende März bin ich gut beraten. Ich könnte in Kunstbrut und Aufzucht mit Wärmeplatte an unserem Hauptwohnsitz (Haus mit Garten in der Stadt) vorziehen (ich glaub wenn ich das meinem Mann vorschlage zuckt er aus :o Aber bis nächstes Jahr hab ich ja noch Zeit, ihn darauf vorzubereiten :laugh). Mit ca. 4 Wochen zu der übrigen Truppe, bis sie ca. Ende September schlachtreif sind, in dieser Zeit sind sie ja auch viel mehr im unbegrenzten Auslauf und haben genügend Platz. Danke für den Tipp!

@bunteent: Glaubst du sind Gerste und Kartoffeln für die Legehennen OK? Die würden das sicher mitfressen. Sind Weizen und Mais schlecht für den Geschmack? Oder verfetten die Hühner da zuviel?

@rorindel: Ja, wahrscheinlich war das der Fehler, zu viel Futter. Nächstes Jahr möchte ich auch Bresse ausprobieren. Hast du vielleicht Bruteier? Oder eine gute Quelle?

Hühnerfuchs
19.06.2013, 15:37
Ein Jahr lang lese ich jetzt schon regelmäßig in diesem netten Forum rund um Hühner und ich wüsste nicht, was ich ohne die diversen Informationen angefangen hätte! :jaaaa: Gute und vor allem so ausführliche Bücher gibt es meines Wissens nicht. Nun möchte ich auch etwas zurückgeben und vor allem von meinen Erfahrungen mit der Aufzucht von Mastküken mit einer Glucke berichten, denn da hab ich relativ wenig hier gefunden, vielleicht kann ich ja was beitragen …

UNTERSCHIEBEN DER KÜKEN: Das funktionierte super! Abholung nachmittags -> unter die Wärmeplatte, spätabends unter die Glucke zu den zwei Naturbrutküken. Die Glucke hat sie anstandslos angenommen.

FÜTTERUNG: Entschied mich leider für einen Starter und für ein Mastfutter mit Coccidienstatikum. Leider deshalb, weil es mühsam war, das Mastfutter von den anderen Tieren fernzuhalten (unter die Obstkiste, in ein Gatter, …), die das ja vor allem wegen der Eier nicht fressen sollten. In Zukunft werde ich darauf verzichten und hoffen, dass es gut geht. Meine Küken hatten Freilauf und verdünnten die Dosis dann ohnehin auch noch mit dem Futter der Großen. Somit hatte es wahrscheinlich sowieso keine medizinische Wirkung.

FÜHRUNG MIT DER GLUCKE: Die ersten 2-3 Wochen klappte alles super! Die Küken waren vital und unterschieden sich abgesehen von der Größe kaum von der Naturbrut. Aber dann gingen die Probleme los: Leider hatte ich im Mai (!) mit sehr kühlen Temperaturen und viel Nässe zu kämpfen. Denke, „normale“ Küken hätten damit weniger Probleme gehabt, aber für die Mastküken endete es beinahe tödlich: Die Küken wurden so enorm schnell groß, dass die Befiederung bei weitem nicht mitkam und sich der Flaum „verdünnt“. Über einen längeren Zeitraum hatten die Küken viele nackte Stellen. Nicht nur dass das nicht sehr hübsch aussieht, es wurde ihnen auch viel zu schnell kalt. Das Unterschlüpfen unter die Glucke gestaltete sich schwierig. 2 normale Küken, 6 Mastküken, sollte sich ja ausgehen. Leider nein. Die waren sooo groß, das ein Unterschlüpfen bald nicht mehr möglich war. Somit musste ich sie an besonders nassen und kalten Tagen in die Voliere sperren. Die Glucke marschiert auch bei feuchtem Wetter raus, sie nimmt keine Rücksicht darauf, dass sie so mutierte Kinder aufgebrummt bekommen hat ;) Ende der dritten Woche hatte die Glucke genug. Sie wollte nicht ständig mit den Mutanten in die Voliere und ich entließ sie in ihre wohlverdiente „Freiheit“.

GESUNDHEIT: Der Herr, von dem ich die Mastküken habe meinte, dass das sehr wahrscheinlich nicht gutgeht, wenn ich die Küken unterschiebe. Sie würden sich mit allerlei Krankheiten/Viren etc. von der Glucke anstecken. Diese Befürchtung hat sich gut sei Dank nicht bewahrheitet. Ich hatte nur einen Ausfall am zweiten Tag und den schreibe ich dem Geflügelhändler zu (die Eintagesküken waren für einen halben Tag ohne Wärmequelle in einer Garage in einer Schachtel). Dagegen hat sich ein anderes Problem aufgetan, witterungsbedingt, siehe oben. Die Küken bekamen schlimmen Schnupfen. Anfangs befürchtete ich Schlimmeres und eine Ausbreitung auf die Großen. Es blieb beim wirklich grauslichen Schnupfen aber als die Witterung besser wurde besserte sich GsD auch der Zustand der Tiere.
Anfangs dachte ich, die bekannten Beinprobleme blieben uns erspart. Aber ab der 4.-5. Woche wurden die Küken zusehens immobil. Ich wollte die Mastküken selber großziehen, damit sie unseren Freilauf genießen können und ich guten Gewissens behaupten kann, dass diese Hühner ein gutes Leben hatten. Ich hätte ihnen 5000 m² zur Verfügung stellen können, sie wären nicht in der Lage gewesen, es zu nutzen. Bis zur 3. Woche gings noch und ich hatte meine helle Freude, dem Gewusel gemeinsam mit den Großen zuzusehen. Dann verließen sie nicht einmal mehr den Stall (es ist eine Rampe zu bewältigen) und saßen letztendlich nur mehr an einer Stelle. Offensichtlich konnten sie ihr Gewicht nicht mehr so lange tragen. :(

STALLHYGIENE: Auch hier kamen die Probleme gegen Ende. Da sich die Küken nicht mehr nach draußen bewegten verkoteten sie den ganzen Stall, ich musste ständig Stroh abheben um die Bedingungen und den Geruch ertragbar zu machen. Mir grauste ganz am Ende auch vor den Hühner selbst, die permanent mit ihrem Bauch auf dem Kot lagen. Bei unseren „normalen“ Hühnern finde ich das eben toll, dass die hauptsächlich nächtens in die Kotwanne koten und der Stall tagsüber halbwegs sauber bleibt.

CONCLUSIO: Ich bin froh, dieses Experiment gemacht zu haben, bin mir aber auch sicher, dass ich es nicht wiederholen werde. Ich habe den Unterschied zwischen „normalen“ Küken und Mastküken gesehen. Ich dachte, ich könnte das Wachstum durch Freilauf und weniger Mastfutter bremsen und die Mast so verlängern auf ca. 12 Wochen. Es ist mir nicht gelungen. Mit 6 Wochen haben wir sie geschlachtet, Lebendgewichte zwischen 1,8 kg und 2,3 kg und einer Schlachtausbeute von 1,2 kg bis 1,6 kg küchenfertig. (Es war übrigens unser erstes Schlachten und wir waren super nervös, vielen Dank an die wertvollen Tipps hier im Forum, ich glaube sonst wär es nicht so „sauber“ abgelaufen).

Denke als Hobbyhühnerhalter kann man getrost die Finger von Mastküken lassen, diese Qualzucht ist hier meiner Meinung nach fehl am Platz (wie nicht überall anders auch?…). Ich habe Platz, Zeit und Geld, den Küken die Möglichkeit zu geben artgerecht und normal zu wachsen. Habe nun Experiment zwei am Laufen. Bruteier von Marans, Sulmtalern und eigenen Amrocks im Brutapparat. Zwei Glucken sitzen schon parat, hoffe sie halten durch (die Glucken haben sich erst gesetzt, als ich den Apparat schon gestartet hatte). Werde nun versuchen, Rassehühner mit der Aussicht auf Fleischansatz großzuziehen und so zu meinem heißersehnten Brathähnchen aus „glücklichem“ Fleisch ;) zu kommen :)
So, mein Roman ist zu Ende.
Sollte es jemand durchgehalten haben, Danke fürs „Zuhören“ ;D

Dieses Experiment hättest du dir sparen können wenn du ohnehin viel im Forum hier gelesen hast - ich hoffe du nimmst mir diesen Satz nicht übel zumal ich diese Schlussfolgerung ohnehin auch in deinem letzten Absatz lese:laugh. Masthybriden sind einfach nur arme Tiere

Hühnerfuchs
19.06.2013, 15:40
Die hatten wir auch mal, obwohl sie dann erstmal Wochenlang in Sibirien waren hatte ich immer wieder das Bild der armen Kreaturen vor Augen wenn sie auf den Tisch kamen. Wirklich geschmeckt haben sie mir nicht.
Es gibt ja noch die langsam wachsenden Masthybriden, CU Nu und Retro Masthähnchen. Bei mir fallen durch die Nachzucht soviele Rassetiere an das kaum in die Versuchung kommen werde welche zu kaufen. In diesem Jahr werden es an die 130 Hähne und dazu kommen noch 40 Puten. Die ich jetzt zum schlachten gegeben habe wogen mit 20 Wochen zwischen 2,4 und 3Kg, muß direkt mal wiegen was nach geblieben ist.
Deine Rassehähne wirst Du aber in diesem Jahr nicht mehr wirklich groß bekommen, die sollten bis spätestens Aprill geschlüpft sein. Die Tage werden jeden Tag kürzer und ab Oktober wachsen sie kaum noch.

Vermutlich hast du weit und breit keine Nachbarn - bei 130 Hähnen wird sicher ab und zu einer krähen:laugh.

Kükenmutti
19.06.2013, 15:55
Dieses Experiment hättest du dir sparen können wenn du ohnehin viel im Forum hier gelesen hast - ich hoffe du nimmst mir diesen Satz nicht übel zumal ich diese Schlussfolgerung ohnehin auch in deinem letzten Absatz lese. Masthybriden sind einfach nur arme Tiere
Nein, nehm es dir nicht übel. Hast natürlich recht, aber ich musste es selbst erleben, ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Küken so schnell so schwer werden können ...

SetsukoAi
19.06.2013, 17:00
Es gibt wirklich als super alternative andere Rassen, wie z.B. die Bresse.

Meine sind jetzt 7 Wochen alt und sie haben ihren Spaß in der Wiese:

101366 101367

hagen320
19.06.2013, 17:18
Vermutlich hast du weit und breit keine Nachbarn - bei 130 Hähnen wird sicher ab und zu einer krähen:laugh.

Doch klar, nach links in 50 Metern, nach rechts in 100 Metern und nach vorne und hinten in 5 Km.
Da kräht nicht nur hin und wieder einer.....und dann sind da ja auch noch die Puten.

bunteent
19.06.2013, 21:42
bei mir fressen die legehennen auch gerste und ab und zu mal etwas kartoffeln was denen aber nicht schadet weil die nicht so verfressen sind. hat man auch sehr gut gesehen als wir "normale" gockel geschlachtet haben die im selben alter waren wie die masthähnchen wenn wir sie schlachten. die hatten trotz kartoffel fast kein fett.

danny

Rorindel
20.06.2013, 08:09
@rorindel: Ja, wahrscheinlich war das der Fehler, zu viel Futter. Nächstes Jahr möchte ich auch Bresse ausprobieren. Hast du vielleicht Bruteier? Oder eine gute Quelle?

Guten Morgen :)
ich werde im nächsten Frühjahr, zwecks Blutauffrischung wieder bei Karin http://www.bressegauloise.de/ neue Bruteier nehmen. Vielleicht verschickt sie ja auch nach Österreich.

Grüßle
Rorindel

Kükenmutti
20.06.2013, 10:54
Danke Setsukoai und Rorindel für den Tipp! :danke