PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ernsthafte Frage: ticken portugiesische Hühner anders?



Lara44
15.11.2012, 18:27
Wenn ich mir das alles so durchlese hier, Sommerfutter, Winterfutter, Legemehl, Vitamine etc.
Das kennt man hier alles nicht. Es gibt Pellets jahraus-jahrein dieselben. Ich bin hier die einzige, die zusätzlich den Karotten-Haferflocken-Zwiebel....etc. Stampf gibt. Viele Hühner hier werden fast ausschließlich mit einem speziellen Kohl gefüttert, aber alle sind gesund und legen wie die Wilden:)
Kein Mensch macht hier jemals eine Wurmkur mit den Hühnern, geschweige denn Impfen.
Milben sind hier unbekannt, ebenfalls Kokzidien, was ich bestätigen kann.
Wir sind im Norden von Portugal, also klimatisch nicht viel anders als in D, außer dass wir im Winter keine Minustemperaturen haben und die Ställe deshalb offener und immer gut belüftet sind.

Was ist also anders??

hühnerling
15.11.2012, 18:36
Möglicherweise der Grad an Aufmerksamtkeit, der den Tieren entgegengebracht wird. Und infolge wird vielleicht einiges an Unregelmässigkeiten bzw. deren Ursachen gar nicht erkannt. Rassespezifische Besonderheiten und die dort übliche Haltungsform könnten natürlich auch dazu beitragen.

ptrludwig
15.11.2012, 18:54
Anders sind nicht die Hühner sondern die Halter. Ich glaube zB. kaum das man in Portugal darauf schaut ob das Futter Genverändert wurde oder ob es aus biologischem Anbau stammt man wird auch seine Hühner keiner Bachblütenbehandlung aussetzen oder wegen jeder Kleinigkeit zum Tierarzt laufen.
Hühner sind dort noch NutztTiere und man versucht den Aufwand so gering wie möglich zu halten. Muss für die Hühner nicht unbedingt negativ sein, so behalten sie ihre natürlichen Abwehrstoffe und Vitalität.

Lara44
15.11.2012, 19:00
Tja, ist vielleicht weniger Aufmerksamkeit besser als jedem Dünnpfiff hinterher zu rennen? Stimmt schon, dass die Hühner hier niemals den Stellenwert haben wie in D, aber rassespezifisch würde ich das nicht nennen. Unser Nachbar hat (fast) alles rum rennen, was es an Rassehühnern gibt, kommt 2 x am Tag hierher und das war's. Hat nie Verluste oder ungeklärte Todesfälle, auch nicht bei Küken, obwohl alles offen, also unvernetzt ist.
Wir halten es auch so, und unsere zweite jetzt 8 Wochen alte Kükenbrut ist super drauf.
Deshalb ist meine Frage immer noch offen:)

@ptrludwig
damit könntest du recht haben!

hajo.falk
15.11.2012, 19:12
Wir sind im Norden von Portugal, also klimatisch nicht viel anders als in D, außer dass wir im Winter keine Minustemperaturen haben und die Ställe deshalb offener und immer gut belüftet sind.
Was ist also anders??

Hallo Lara,

Eure Hühner haben freien Auslauf das gesamte Jahr ?

Wenn dem so ist, denke ich, ist deren Widerstandskraft wesentlich besser, als bei Hühnern die nur einen beschränkten Auslauf zur Verfügung haben. Wie Hühnerling schon sagt, können Landhuhnrassen, speziell gegen Parasiten und Krankheiten, im Laufe von Jahrhunderten, Abwehrmechanismen und Resistentien entwickelt haben. Auch die Brutpflege von Glucken, soll man nicht unterschätzen. Die bringen ihrem Nachwuchs manches bei, was nicht aufgenommen werden soll, z.B. Schnecken, die von Parasiten befallen sind. und natürlich vieles mehr. Was uns Menschen nicht auffällt. Das Huhn kann seine Istinkte besser ausnutzen, um sich selbst zu heilen.

Es wird in freier Natur wesentlich mehr natürliche Eiweiß durch Insekten aufgenommen. Die Chitinpanzer enthalten auch eine gewisse Medizin, die Küken und Erwachsene Tiere zusätzlich schützt. Das Huhn kann spezielle Dinge aufnehmen, die in einem beschränkten Auslauf nicht so möglich sind. Gewisse Steinarten als Verdauungssteine, hier gibt es das auch, aber wir füttern kleine Aquariensteine und denken schon, wenn es noch Muschelgritt gibt, wir ermöglichen den Hühnern den Himmel auf Erden.

Es gibt sicherlich noch mehr dazu zu sagen. Zum Beispiel denken wir, wenn wir zu fast 100 % "vorverdautes" Pellettfutter füttern, was natürlich kein Genverändertes enthalten soll, wir hätten alles erdenklich Gute getan.

Als Verfechter der Naturbrut und des freien Auslaufs, der natürlichen Landrassen, ist es für mich widernatürlich, was mit den Hühnern und "Zierhühnern" angestellt wird. Auch das Ausstellungswesen gehört auf andere Beine gestellt.

LG hajo

Lara44
15.11.2012, 19:34
Danke hajo:) Ja, unsere Hühner haben freien Auslauf, ungeachtet, ob sie auch noch die Einfahrt versch*****:) und auch wir verteten voll die Naturbrut. Mit Zierhühnern, die vor lauter Plüsch kaum mehr aus den Augen schauen können, haben wir nichts am Hut. Zum Kuscheln haben wir unsere Katzen und denen sei's auch gegönnt:)
Möglicherweise liegt es tatsächlich daran, dass die Hühner hier ganzjährig im Freien sein können. Ich weiß es nicht.

hajo.falk
15.11.2012, 19:53
@ Lara,

was ich vergessen habe zu erwähnen, ist die intensive Sonne. Die Hühner haben verschiedene Staubbadeplätze, also Vogelmilben, haben nicht so große Chancen, wieder auf ein Huhn zu kommen. Die UV-Strahlen verhindern bei den Tränken die meisten Übertragungswege. Meine Beobachtungen bei Hühnern in mediterranen Länder zum Beispiel, bringen viele Dinge zum Vorschein, die hier von den Haltern, noch mehr von den Züchtern, mit ihren widernatürlichen Aufstallungen beachtet werden könnten, um den Tieren den Druck zu nehmen.

LG hajo

Lara44
15.11.2012, 20:17
Du sprichst mir aus der Seele, obwohl ich es objektiv nicht beurteilen kann, weil ich in D nie Hühner hatte.
Hier ist es einfach so, wie man es ggf. von Oma noch kannte und es ist gut so:)

hajo.falk
15.11.2012, 20:23
Lara, hier gehört dieses Thema nicht herein. Eventuell Rassefragen oder Hühnermedizin. Die Moderatoren helfen Dir sicherlich gern.

sil
15.11.2012, 20:23
Ich muß jetzt mal eine Lanze für die hießigen "Hinterhofhühner" brechen. Es ist ja tatsächlich nicht so, dass sie reihenweise umfallen, sobald sie sich mit frischer Luft, nicht industriell verarbeitetem Futter und genügend Auslauf auseinandersetzen müssen.

Das angesprochene "Problem" ist keines der Hühner, sondern deren Halter.
Wer versucht, jede Futterration noch auf Milligramm ausgewogen und optimalst zu berechnen, kann ja gar nicht anders. als sich an Futterbedarfs und Futterwerttabellen zu klammern. Dass ein Bedarf, von dem wir nicht wissen, dennoch existiert, wird dabei ausgeklammert, und dass ein Bestandteil, den wir noch nicht erforscht haben, auch seine Notwendigkeit haben kann, ebenso.
Wer immer nur das Aller- allerbeste für seine Viecher will und einfach die Gewissheit haben muß, dass sie von ihm abhängig sein sollen in jeder Beziehung, wird niemals zulassen, dass sie sich alles was sie brauchen selbständig zusammensuchen, selbst wenn sie es könnten.
Man will, dass es dem Huhn gut geht, weil es einem selber dann auch gut geht. Weil uns eingehämmert wird, dass man Lebensqualität kaufen kann (und muß?) deswegen kaufen wir alles, was es zu kaufen gibt um die Lebensqualität unserer Haustiere zu steigern.
Wo die absolute Leistung, ob Lege oder Mast, im Vordergrund steht, wird weniger dem Zufall überlassen und dafür mehr Kontrolle, mehr Schutz, mehr Zufütterung geboten.
Wer jeden Kümmerling vom Schlupf weg aufpäppelt und ihn sich fortpflanzen läßt, muß sich auch entsprechend kümmern.
Wer mit beengten Platzverhältnissen zurechtkommen muß, kann nicht erwarten, dass seine Hühner als Eigenversorger durchkommen und muß entsprechend zufüttern.
Wer seine Viecher nicht mit Fuchs und Co teilen mag, kann nicht unbedingt in eine Räuberfreie Weltgegend umziehen sondern muß gegebenenfalls den Auslauf der Hühner durch einen Zaun begrenzen.
Wer Hühner hält, die seit vielen Generationen sich nicht mehr alleine durchbringen mußten, muß damit rechnen, dass sie es jetzt vielleicht nicht mehr können.
Wem seine Hühner wichtig sind, weil wertvoll oder liebenswert oder existenziell wichtig, mag nicht allzuviele Risiken eingehen.

Sicher gibt es auch viele, die bei Verlusten einfach achselzuckend drüberweggehen, aber viel mehr noch machen sich Gedanken über das warum und weshalb. Es fehlt die Erfahrung und die Flut an Informationen, der man sich stattdessen ausgesetzt sieht, verunsichert mehr als sie wirklich hilft. Das Verhältnis zum Huhn an sich ist hier bei uns schon lange nicht mehr das zu einem reinen Nutztier, da fehlt es viel zu vielen Haltern am Abstand. Man gibt seinen Hühnern Namen und wenn eins vom Fuchs geholt wird, trauert man darum.


Umgekehrt, wenn über Generationen auf Werte wie Robustheit, Genügsamkeit, Wachsamkeit, Legefreude und brauchbare Bruteigenschaften hin selektiert wird, und das zusammenfällt mit einem allgemein etwas sachlicher gehandhabten Zugang zum Tier von Seiten der Halter und einem eher geringen Druck durch räuberische Hühnerliebhaber, dann kommt halt auch so was wie von dir beschrieben heraus. Abgesehen davon ist das Suchen von Futter, das Verhalten bei Gefahr etc. so stark in den Genen fast aller Rassen verankert, dass sie , wenn sie die Chance dazu bekommen, auch lernen, mit einer weniger behüteten Haltung klarzukommen. die, die es nicht lernen, werden halt auch nicht alt.

Lara44
15.11.2012, 20:36
@sil
ein großes Wort zur rechten Zeit. Danke, vor allem für den letzten Absatz:)

Laura
15.11.2012, 23:28
Hallo Lara,
ihr habt tatsächlich das gleiche Klima wie hier ?
Auch die Nässe und den Matsch ? Ich glaube da bestehen außer dem Frost noch mehr Klimaunterschiede. Durch den stetigen Wind in Küstennähe trocknet der sandige Boden nach einem Regenschauer doch sehr schnell wieder ab. Kein Vergleich mit unserem Boden. Auch im Sommer begünstigt die feuchte Wärme eher das Milbenwachstum bei uns. Durch den teils heftigen Frost können die Ställe hier auch nicht so luftig gebaut werden. Außerdem finden die Hühner durch den Frost draußen kaum noch Insekten oder andere guten Sachen. Es muß also mehr dazugefüttert werden. Auch wenn es manche vielleicht mit ihrer Fürsorge übertreiben, so nebenbei wie bei euch in Portugal geht es hier nicht. Was enthalten denn eure Pellets ? Fütterst du noch Getreide dazu ?
Gruß, Laura

Silvi
16.11.2012, 00:09
Hühner in Portugal sollen funktionieren, mehr nicht.

Jeder TA-Besuch kostet Geld, das man nicht hat.
Das Huhn wird deshalb eher geschlachtet und dafür ein neues angeschafft.

Die Menschen hier, die sich Hühner halten, sind normalerweise nicht in der Lage, sich eine Wurmkur etc. zu leisten.
Deshalb kann man sich solch einen Aufwand auch nicht erlauben.

Portugal ist schon seit Jahren wirtschaftlich total im Eimer, seit es offiziell unter den Rettungsschirm musste, leidet das Volk noch viel mehr, als sich manch einer vorstellen mag.
Die Kaufkraft ist um 1/3 (mindestens) geringer als in Deutschland, trotzdem soll man hier über einen TA 90 Euro für Flubenol ausgeben!
Wie soll denn so etwas funktionieren?

Da es nicht geht, schlachtet man lieber ein Tier und schafft sich ein neues an, bevor man Unmengen an Geld ausgibt, das man eh nicht hat.

Die Hühner hier werden auch immer mehr eingesperrt, weil man Angst hat, auch nur eines z.B. an den Fuchs zu verlieren, denn jedes verlorene Tier ist in dem Moment eine totale Katastrophe für den Halter.
Jedes Ei fehlt dann, jeder Hahn wegen seines Fleisches auch.

Ein Tier wegen Krankheit retten zu wollen, kostet Geld, das die Menschen nicht haben.

Natürlich gibt es auch hier Kokzidien etc!

Die Menschen können es sich oft nur einfach nicht leisten, diese Tiere zu retten.

Lara44
17.11.2012, 11:22
@Laura
Wir sind hier 20 km weg vom Meer, da ist kein sandiger Boden und wenn's viel regnet, wie die letzten 2 Wochen,
haben auch wir Matsche. ok, durch höhere Temperaturen trocknet's trotzdem schneller als in D und dass dort die Ställe anders gebaut werden müssen als hier, ist schon klar.
Ich fülle die Pellets immer um, kann dir gerade nicht sagen, was da drin ist. Körner füttere ich nicht, außer ab und zu gekeimten Schwarzhafer.

@Silvi
ich kann natürlich nur über unsere Region urteilen. Dass sie hier reine Nutztiere sind stimmt und dass man mit einem Huhn nicht zum TA geht auch. Deshalb gibt's ja schon gar keine für Hühner. Sicher gibt's Kokzidien etc., ich meinte, dass das für die Halter unbekannt ist, aber - ich weiß nicht, wie ich's ausdrücken soll - trotz Nichtbehandlung machen die Hühner einen guten und gesunden Eindruck.

Natürlich kann jede/r Hühner halten wie er/sie möchte. Es drängt sich mir einfach die Frage auf, ob durch zu frühe Behandlung, außer in kritischen Fällen, nicht die Selbstheilungskräfte zum Verschwinden gebracht werden und die Hühner deshalb hier stabiler sind?

Murmeltier
17.11.2012, 11:37
Ich schätze, dass Tiere die nicht fit aussehen werden sofort geschlachtet, darum sieht man keien kranke Hühner.
So war es bei meiner Oma, die kleiner Selbstversorger Hoff hatte. Wenn man schnell ein Huhn zum kochen brauchte, wurde die ausgesucht, die nicht so gut aussah. Gebrütet wurde oftmals wild, dass heißt eine Henne verschwand und kamm nach drei Wochen mit Nachwuchs.
Die Dorfhühner sind auch nicht so produktiv, wie manche Rassehühner, darum sind die nicht so empfindlich, was Mangelernährung angeht.

Hedi
18.11.2012, 21:51
Also ich habe seit mindestens zehn Jahren hier in der Schweiz Hühner, deren Ahnen mal aus Portugal rausgeschmuggelt wurden. Ich hatte nie Krankheiten, sie fressen Pellets und Körner und Salat und Resten vom Tisch
. Seit leider Füchse auch mitten am Tag meinen Garten besuchen (und etliche male alle gekillt hatten mitten am Tag) sind sie jetzt in einem grossen vergitterten Auslauf am Tag und Nachts im Hühnerhaus. Immer nur Naturbrut auch bei den Freunden, die viel mehr als ich von ihnen haben (die brüten wie verrückt überall!)und mir nachlieferten als alle Fuchsfutter geworden waren. jetzt legen sie grad nicht, aber davon sind drei, die im Sommer auf die Welt kamen, zwei, die letztes Jahr geboren wurden und drei Hähne, zwei Junge und ein alter. Ich esse die kleinen leckeren Eier wieder wenn die tage länger werden. Ich glaube schon, dass diese hübschen kleinen Hühner sehr widerstandsfähig und von Natur aus gesund sind.

Silvi
19.11.2012, 20:51
... Es drängt sich mir einfach die Frage auf, ob durch zu frühe Behandlung, außer in kritischen Fällen, nicht die Selbstheilungskräfte zum Verschwinden gebracht werden und die Hühner deshalb hier stabiler sind?
Ach so war das gemeint.
Ich hatte es zunächst so verstanden, dass du dachtest, es gäbe diese Probleme in Portugal nicht.
Sorry für mein Missverständnis.

Wenn immer nur die stärksten Tiere sich vermehren können, kommen stärkere Küken bei raus.
Die sind dann auch nicht immun gegen alles, aber widerstandsfähiger, klar.


Also ich habe seit mindestens zehn Jahren hier in der Schweiz Hühner, deren Ahnen mal aus Portugal rausgeschmuggelt wurden. Ich hatte nie Krankheiten, sie fressen Pellets und Körner und Salat und Resten vom Tisch
...
Ich glaube schon, dass diese hübschen kleinen Hühner sehr widerstandsfähig und von Natur aus gesund sind.

Hast du dazu mal ein paar Bilder von deinen Tieren?
Würde ich mir gern mal anschauen, wie deine Hühnis aussehen.

Ich hab nur zwei der drei portugiesischen Rassen und bin auch ganz begeistert davon.
Leider sind diese Rassen in Portugal mittlerweile bedroht, da auch hier viele (die meisten) nur noch Lege-Hybriden und Masthühner halten.
Aus wirtschaftlicher Sicht kann ich das auch verstehen, unterstütze es aber nicht.

LG,
Silvi

P.s.:
Sorry, hier hat mein deutsch mal wieder versagt:


...
Die Kaufkraft ist um 1/3 (mindestens) geringer als in Deutschland, trotzdem soll man hier über einen TA 90 Euro für Flubenol ausgeben!
...

Die Kaufkraft in Portugal beträgt höchstens 1/3 im Vergleich zu Deutschland.
600 Euro verdient der Durchschnittsmensch hier..., da sind 90 Euro für eine Wurmkur ein Luxus, den sich niemand erlauben kann.
So hätte ich es besser ausdrücken sollen.