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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verbesserung der Lebensqualität?



Cartuja
10.01.2006, 12:18
Nur mal interessehalber: Haltet Ihr diese Haltungssysteme für eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität eines jetzigen Käfighuhnes?

http://www.legehennensysteme.de/

Natürlich kann es nur besser werden, sich mal 3 Schritte bewegen zu können ist schon ein Fortschritt, aber kommen Hühner vom Sozialverhalten her mit diesen Massenaufstallungen klar? Folge Kannibalismus?

Grübelnde Grüße
Conny

gaby
10.01.2006, 13:01
Find ich alle schrecklich.
gg

Erich
10.01.2006, 15:02
Nein, finde ich nicht gut. allein schon das Wort "Legehennensysteme", da bekomme ich Gänsehaut. Finde das Ganze nur schrecklich. ;( :-X

hahni
10.01.2006, 15:26
Original von Erich Cartuja

Nur mal interessehalber: Haltet Ihr diese Haltungssysteme für eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität eines jetzigen Käfighuhnes?

http://www.legehennensysteme.de/

Natürlich kann es nur besser werden, sich mal 3 Schritte bewegen zu können ist schon ein Fortschritt, aber kommen Hühner vom Sozialverhalten her mit diesen Massenaufstallungen klar? Folge Kannibalismus?

Grübelnde Grüße
Conny


Ich lese mir das lieber nicht durch! Ist bestimmt alles auch Tier quälerei?
Wenn man in so ein stall schon 100- 200 Hühner oder sogar mehr halten will!



Original von Erich
Nein, finde ich nicht gut. allein schon das Wort "Legehennensysteme", da bekomme ich Gänsehaut. Finde das Ganze nur schrecklich. ;( :-X

Das kommt mir auch die gänsehaut wenn ich dran denken muss das man so viele tiere schon auf ein mal ein sperrt! (kann ja nicht sagen ob die freilauf haben)

Ich würde es viel besser finden wenn jeder oder eine ein Haus mit mehren Wohnungen ein paar Hühner hätte! Ist ja auch gesünder weil erstens die eier sind besser und man ist mehr drausen! Ist ja leider nur ales Theori!

m.f.g.

Tim

Dominik Timm
10.01.2006, 15:48
Zur reinen Käfighaltung eine verbesserung aber LÄNGST nicht genug >:(

Cartuja
10.01.2006, 15:50
Hallo,

vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt, ich fragte, ob ihr das für eine Verbesserung der Käfigbatterien haltet oder nicht. Da man die Massentierhaltung wahrscheinlich nicht in den nächsten Wochen, Monaten oder Jahren gesetzlich verbieten wird, muß man wenigstens Verbesserungen der Haltung vorschlagen. Und das ist meine Frage: Handelt es sich hierbei um eine Verbesserung? Oder nur Augenwischerei?

Flügelstrecken und ein Nest aufsuchen können, ein bißchen hopsen und laufen ist aus meiner Sicht zunächst mal eine Hafterleichterung. Was bestialischeres als Käfig gibt es meines Erachtens nicht. Aber eventuell gibt es hierbei Dinge zu beachten, die mir jetzt nicht in den Sinn kommen, Kannibalismus oder ähnliches?

Es sind übrigens keine Bilder schlimm zugerichteter Hühner auf der Internetseite, dann wären die ja blöde :roll

Da Freilandhaltung für alle Hühner leider, leider eine Traumvorstellung ist, setze ich mich mit möglichen Alternativen auseinander, um diskussionsfähig (mit den Befürwortern der Massenhaltung) bleiben zu können. Kategorische Ablehnung der jetzigen Zustände ist mein Focus, aber was sind realistische Alternativen?

Daher meine Bitte, was haltet ihr von dieser Haltungsform?

Pat.
10.01.2006, 16:02
Also ich habe mir die Bilder angeschaut..

OK, gegen Käfighaltung ist es schon eine Verbesserung...aber...

Unteranderem deshalb halte ich selbst Hühner, um den Hühner, deren Eier ich verspeise solch ein Leben zu ersparen.
Ok, es kann nun nicht jeder in Deutschland Hühner halten, aber jedes Huhn was bei einem privaten Halter mit Auslauf und und und gehalten wird, erspart einem Huhn die Käfighaltung.

Meine Meinung..

Schönen Abend noch

Pat.

Ramel
10.01.2006, 16:44
Hallo,

ich habe so ziemlich alle Haltungssysteme für Legehennen schon mal live gesehen und erlebt, von meiner eigenen Hobbyhaltung über bäuerliche Extensivhaltung, Freilandhaltung im großen Stil, Volieren- und Käfighaltung.
Legebatterien sind graussam, keine Frage und ich finde jeder Schritt von da weg sollte unterstützt werden. Auf der anderen Seite bergen so kleine Schritte wie der hin zu Gruppenkäfigen die Gefahr, dass alle Welt denkt man hätte den Tieren ja nun geholfen und mehr braucht man nicht machen. Auch ist es für jeden Eiproduzenten (ich miene jetzt den Menschen) eine große wirtschaftliche Belastung seine Haltungsform zu ändern. Wenn er einmal seinen gesamten Stall umgebaut hat, wird er das so schnell ungezwungen nicht nochmal tuen.

Du suchst Argumentationsanstöße:
In der Legebatterie leben die Hühner völlig gegen ihre Natur, aber Befürworter loben vor allem die Hygiene in diesen Käfigen. Da keine Bewegung in den Tieren ist haben Infektionskrankheiten kaum eine Chance. Nur das jeweilige Nachbartier kann sich anstecken und so kann eine Infektionskrankheit schnell eingedämmt werden. Die Umgebung ist sauber, da der Kot nie mit den Tieren in Berührung kommt...

Eine Haltung in Großgruppen birgt im Gegensatz dazu die Schwierigkeit der Parasitenbekämpfung, Infektionskrankheiten und wie du schon sagst den Kanibalismus. Der ist nicht zu unterschätzen und bedeutet oft erhebliche Verluste unter den Tieren.

Vor kurzem war ich in einem recht großen Betrieb mit Bodenhaltung (normalerweise auch mit kleinem Freilauf, wegen der aviären Influenza zu der Zeit aber nicht). Ich war überrascht was für einen guten Eindruck die Tiere auf mich machten. Sie waren aufmerksam und neugierig (pickten vorsichtig an die Stiefel), gut befiedert und mit klarem Auge. Natürlich waren das noch Jungtiere und am Ende ihrer Legeperiode werden sie nicht mehr ganz so glänzend aussehen, aber ich ging dort raus und hatte den Eindruck, dass man so als Huhn im Notfall leben kann. Problem ist nur wie gesagt das Fehlen einer festen Rangordnung aufgrund der großen Gruppen und die fehlende Möglichkeit, dass sich ein Tier wirklich mal absondern kann.


Auch ich halte mir meine eigenen Hühner um nicht von der Massenproduktion abhängig zu sein. Leider fällt mir keine wirklich brauchbare Altenative zu den gängigen Haltungsformen ein, die den deutschen Hunger aufs Ei stillen könnte.
Wenn ich wählen könnte, würde ich selbstverständlich eine Freilandhaltung in nicht zu großen Gruppen, mit verschiebbarem Stall und damit wechselnden Auslaufflächen vorziehen. Das Problem ist der Fehler im System, der die Eier so billig gemacht hat, dass sich solch teure Haltungen für den Bauern kaum lohnen. Der Markt für Biofreilandeier ist einfach nicht groß genug. Aber wie kommen wir da wieder raus...? ???

Gruß, Ramel

Cartuja
11.01.2006, 09:38
Hi,

ich danke Euch allen für Eure Antworten :danke

@Ramel:

Genau in diese Richtung wollte ich: Argumente der Gegenseite aufnehmen und entkräften (wenn es dann geht).

Eine Idee wäre, den "unnützen" Eierverbrauch" in Deutschland zu senken. In so vielen Nahrungsmitteln sind Eier drin, wo es nicht zwingend nötig wäre (Teigwaren, Gebäck, Süßwaren etc.). Auch das Bewußtsein, daß Qualität nunmal Geld kostet, ist in Deutschland eher schwach bis gar nicht mehr vorhanden. Auf dem Fleischsektor scheint ein leichter Wandel zu vermerken, aber bei Eiern? Der reine "Frühstücksbioeiverbraucher" weiß oftmals gar nicht, daß er Unmengen von "Käfigeiern" in getarnter Weise zu sich nimmt. Hier tut Aufklärung bestimmt not. Und wenn daraufhin auch nur eine Legebatterie schließen muß, Hurra. Ok, den Aspekt des ruinierten Käfigbarons habe ich frecherweise außen vorgelassen, sorry :roll

Käfige müssen trotz toller Hygiene/Krankheitsvorsorge aufgrund der lebensunwürdigen und tierquälerischen (Panik bei der Eiablage etc.) Zustände weg. Was man bei der Bodenmassenhaltung an negativen Begleiterscheinungen hat, wird dann zu recherchieren sein. Vielleicht (jetzt träume ich mal) wird es dann doch den Durchbruch zur Freilandhaltung geben, weil die Massenhaltung doch nicht so rentabel ist, wie sie scheint.

Puh, ich hoffe, mein Endlosvortrag ist verständlich. Es ist sehr schwer, sich mit diesem Thema rational zu befassen, wenn der Bauch was ganz anderes sagt >:(

Gerne würde ich noch weitere Stellungnahmen sammeln, wo seid ihr denn auf einmal alle?

Viele Grüße

Conny

chook
11.01.2006, 11:22
Ich finde die grossen Mobilställe eine gute Alternative.
Siehe:
http://www.mobilstall.de/ (www.mobilstall.de)
und Bauck (http://www.lebendigeerde.de/Ausgaben/portrait_2005-02.html)

Ute

Cartuja
11.01.2006, 12:23
Danke, danke, danke!

Sehr interessanter Bericht, vor allem der Hinweis auf die Bedeutung der Hähne und der wichtigen Gruppenbildung (obwohl: 40 Damen auf einen Herrn, der Arme :D

Gruß
Conny

grünschnabel
11.01.2006, 13:14
Es ist immer eine Frage des Standpunktes, vom Huhn, vom Hallenpersonal.

Je freier um so besser - für das Huhn, dem stimme ich uneingeschränkt zu, betrachte ich es als Privathalter. Aus Berufspraxis muß ich das einschränken.

Richtig ist, es ist völlig gegen die Natur eines Huhnes, im Käfig zu sitzen, aber die Eier können wesentlich hygienischer gewonnen werden, da sie sofort aus dem Käfig abrollen. Kot fällt auf Bänder und wird mehrmals täglich aus dem Stall geschaft, alles ist extrem kontrolliert - gut für den Verbraucher. Man benötigt wenig Personal - gut für die Kosten.

Normal ist leider der Streß des Tieres, der Überbesatz des Käfigs wird bei Einstallung bewußt angestrebt, da die Verendungsquote hoch ist und am Ende der Haltungsperiode der Besatz den Verordnungen entspricht. Es besteht im Käfig eine Hackordnung, die i.d.R. zum Tod der dominierten Tioere führt, da sie blutig gehackt werden (Kanibalismus), nicht an Wasser oder Futter kommen, nach unten in die Rosten getreten werden.
Hauptaufgabe des Personals ist es, täglich die Kadaver aus den Käfigen zu holen, bzw. die kranken Hühner zu beseitigen. Die Behauptung, die Tiere sind gesünder, ist quatsch, wer gemerzt ist, wird ja nicht gewertet, was in regelmäßigen Abständen in die Tränke kommt, um das Leben zu erhalten, will ich nicht ausführen. Ein entkalktes Huhn kann auch nicht gesund genannt werden, Knochenbrüche bei Ausstallung sind normal.
Es zählt nur die Hygiene, die ist optimal zu gestalten.

In der Bodenhaltung leben die Hühner wie auf dem Hühnerhof, nur eben drinnen. Es gibt immer Hennen, die die Position des Hahnes übernehmen, auch treten. Es entstehen Gruppen mit Rangordnung, bevorzugte Nester und Raufereien.
Es besteht zwar auch ab und an das Problem des Kanibalismus, meist aber durch Legedarmvorfälle provoziert.
Arbeitsaufwand für das Personal aber deutlich höher, da die Eier mehrmals täglich aus den Nestern gesammelt werden müssen, die Einstreu geharkt wird, Tränken gereinigt werden müssen etc. Daher sind diese Eier auch teurer.

In Freilandhaltung hast du Zustände wie auf deinem Hof, jeder rast, wohin er will, legt, wie er mag, Hähne gibt es hier auch nicht, nur die dominanten Damen, denn keiner möchte ein getretenes Ei kaufen. Es gibt ebenfalls Hackordnungen und Gruppenbildungen. Man kann es hier deutlicher sehen, da die einzelnen Gruppen weiter auseinander streben können, als in den Hallen, leider freuen sich auch Greifvögel und andere Beutegreifer über diese Haltung.
Hygiene wird schwierig, da die Eier deutlich verschmutzter sind, weil ja nicht jede ins Nest geht. Damit ist die Ausfallrate für den Produzenten höher. Der Personaleinsatz ist deutlich intensiver, leider sind die Flächen irgendwann auch müde und nicht jeder, der so Hühner hält, kann den Auslauf wechseln. Das führt zu mehr Erkrankungen (Würmer, Kokzidien, etc.)
Alle anderen Kosten steigen ebenfalls, da die Fütterung nicht so effektiv ist, die Hühner bewegen sich mehr, verbrauchen mehr Energie, die Tiere müssen mehr beobachtet werden, um Kranke auszumachen, zu behandeln oder zu merzen (immer Mittel der Wahl) alles muß stärker gereinigt werden, vor allem, wenn die Witterung schlecht ist, man hat aber mit Sicherheit die optimalsten Tiere zur Schlachtung.

Wenn ich diese Haltungsform favorisiere, muß ich akzeptieren, das auch Bio- und Ökobetriebe i.d.R. Junghühner der selben "Hersteller" ordern, wie in der Käfighaltung, weil Deutschland bestimmte "Herstellungsbedingungen" vorschreibt. Und ich muß begreifen, das der Aufwand der hier betrieben wird, entsprechen bezahlt werden muß.

Nun entsteht das pro und kontra - über den Preis pro Ei, der zu bezahlen ist.

Sicher wollen Verbraucher die Hühneridylle, natürlich mit der Hygiene und dem Preis der Käfighaltung! Und wir bauen die Subventionen in der Landwirtschaft drastisch ab, unter Seehofer ist Bio und Öko ohnehin nicht mehr gefragt.

Ich hoffe, die Käfighaltung fällt wirklich, aber letztlich entscheidet der Verbraucher über die Haltungsbedingungen beim Einkauf.

Und der Hobbyhalter versorgt weiter die Nachbarn, damit der nicht im Supermarkt zu Billigeiern greift, welche inzwischen unter anderem auch aus Thailand nach Deutschland kommen!



Und meine Hühner bleiben draußen! Mit Hahn! Weil ich das privat für mich so entschieden habe und versorge weiter die Nachbarn. Trotz Vogelgrippe! :P