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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie gefährlich ist das AI Virus? Andere Aspekte



Tadorna
16.08.2008, 11:46
Die fatalen Folgen von viralen Infektionen werden durch bakterielle Super oder Sekundärinfektionen wesentlich verstärkt.

Frühzeitiger und angemessener Antibiotikaeinsatz kann ganz wesentlich dazu beitragen, den Kranklheitsverlauf abzukürzen, oder schwere Erkrankung oder Tod zu vermeiden.

Wurde diese Binsenweisheit bei den Evaluationen über die Auswirkungen der 1918er Grippe ausreichend berücksichtigt?

1918 gab es mangels Anribiotika kaum Möglichkeiten, eine bakterielle Infektion zu behandeln. Wie gross war 1918 der Anteil, der, unter "Spanische Grippe" subsummiert. auf das Konto bakterieller Sekundärinfektionen ging?

Einige Forscher sind dieser Frage nachgegangen, das Ergbnis dürfte für Diskussionsstoff sorgen.


Deaths from Bacterial Pneumonia
during 1918–19 Infl uenza Pandemic
John F. Brundage* and G. Dennis Shanks†
Deaths during the 1918–19 infl uenza pandemic have
been attributed to a hypervirulent infl uenza strain. Hence,
preparations for the next pandemic focus almost exclusively
on vaccine prevention and antiviral treatment for infections
with a novel infl uenza strain. However, we hypothesize that
infections with the pandemic strain generally caused self-lim-
ited (rarely fatal) illnesses that enabled colonizing strains of
bacteria to produce highly lethal pneumonias. This sequential-
infection hypothesis is consistent with characteristics of the
1918–19 pandemic, contemporaneous expert opinion, and
current knowledge regarding the pathophysiologic effects of
infl uenza viruses and their interactions with respiratory bac-
teria. This hypothesis suggests opportunities for prevention
and treatment during the next pandemic (e.g., with bacterial
vaccines and antimicrobial drugs), particularly if a pandemic
strain–specifi c vaccine is unavailable or inaccessible to iso-
lated, crowded, or medically underserved populations.
Emerging Infectious Diseases • www.cdc.gov/eid • Vol. 14, No. 8, August 2008

gsgs
21.08.2008, 10:21
5% der Todesfaelle innerhalb von 3 Tagen
spaeterer Tod deuted auf Lungenentzuendung hin

http://www.cdc.gov/eid/content/14/8/images/07-1313_1b.gif

aber anscheinend starben auch an Lungenentzuendung ueberwiegend die jungen Leute,
wenn man mit anderen Pandemien vergleicht.

Tadorna
28.08.2008, 15:02
Was sind das für Statistiiken?


spaeterer Tod deuted auf Lungenentzuendung hin
auf was deutet denn "früherer Tod" hin?

gsgs
28.08.2008, 21:45
Statistiken sind aus dem zitierten Artikel, glaub ich.

Frueher Tod deuted auf Zyanose hin, Überreaktion des Immunsystems.
(cytokene storm, viral pneumonia)

Tadorna
29.08.2008, 12:16
Cytokine Storm => Kreislaufbeeinträchtigung, bis zum Schock, außerdem evtll Lungenödem.

Virus Pneumonie => immer möglich, dauert aber meist länger.
Bakt Pneumonie dauert, vom einsetzen der ersten KH zeichen an gerechnet, i.d.R. noch etwas länger.

Fulminanter Verlauf nicht eingerechnet.

Welche Rolle Endothelschädigung mit intravasaler Gerinnung/Blutungen eine Rolle spielt, weiss ich nicht.

Neurolog. Komplikationen werden wohl auch eine Rolle spielen, aber nicht in 3 Tagen.

Henning123
01.09.2008, 19:22
Zitat:
"Frueher Tod deuted auf Zyanose hin, Überreaktion des Immunsystems.
(cytokene storm, viral pneumonia)"

Zyanose bezeichnet nur das sich Lippen, schleimhäute und die Haut unter den Fingernägeln blau verfärben infolge von desoxygeniertem Hämoglobin (also der Blutfarbstoff hat zu wenig Sauerstoff an sich gekoppelt). Ist also nur ein Symptom keine Ursache !

Die angesprochen Komplikatioen sind nicht wirklich was neues, wenn das Immunsystem durch die Virämie bereits geschwächt ist, haben es Bakterien leichter sich einzunisten und Party zu feiern.
Jedoch haben wir heute noch zusätzlich das Problem, das bei immer mehrern Erreger Antibiotikaresitenzen auftreten die sich mit den gängigen Wirkstoffen nicht mehr therapieren lassen ! Beispiel hierfür ist der häufig erwähnte Staphylococcus aureus in Form von MRSA, VRSA oder ORSA.

Was die Zytokine angeht, Zytokine sind Proteine die eine regulierende Funktionen auf das Wachstum, die Differenzierung (Ausbildung) von Zellen haben. werden diese Vermehrt ins Blut ausgestoßen, für die zu einer Entgleidung mit der möglichen Folge des multiplen Organversagens mit katastrophalen Folgen für den Organismus, vor allem wenn es die Leber betrifft.

Die Virus- oder in diesem Fall die Influenzapneumonie kann infolge von einer gestörten Sauerstoffaufnahme zu einer Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) führen und damit zur oben erwähnten Zyanose. Zudem ist ein Blutdruckabfall möglich wenn das Kohlendioxid nicht richtig abgeatmet werden kann dieser Zustand nennt man respiratorische Azidose Kurz erklärt: Das bleibende Kohlendioxid fürt zu einer übersäuerung des Blutes, was eine Erweiterung der Blutgefässe (Vasodilatation) zu Folge hat, dies für zu einer relativen Hypovolämie und damit zum Blutdruck abfall.
Und eventuell zu Durchblutungsstörungen von Organen (Minderperfusion).

Zitat:
"Fulminanter Verlauf nicht eingerechnet."
Das mit dem blitzartigen Verlauf erklär mal näher...
Oder meinst du damit immunsupprimierte Patienten ;-)

Zitat:
"Welche Rolle Endothelschädigung mit intravasaler Gerinnung/Blutungen eine Rolle spielt, weiss ich nicht."
´
Eine disseminierte intravasale Koagulopathie bei Influenza ?
Hab ich biss jetzt noch nichts drüber gelesen... Hast du dafür Quellen ?

Was hier noch nicht erwähnt wurde sind:
virusinduzierte Gehirnenzündungen (Enzephalitiden) und Herzmuskelentzündungen (Myokarditiden).

Die Enzephalitiden dürften aber wohl eher selten sein (wenn man mal von Masern und der Subakute sklerosierende Panenzephalitis ausgeht)

Zudem gibt auch bei der "normalen" heute vorkommenden Grippe noch eine blutige (Hämorrhagische) Form.

Tadorna
02.09.2008, 01:07
Nachdem nach Quellen gefragt wurde:

Die angesprochen Komplikatioen sind nicht wirklich was neues, wenn das Immunsystem durch die Virämie bereits geschwächt ist, haben es Bakterien leichter sich einzunisten und Party zu feiern.

Neu bestimmt nicht, aber es wird immer wieder der Nutzen einer antibiotischen Therapie bei Virusinfekten angezweifelt.

Ob Influenza Viren übrigens das Immunsystem einfach nur "schwächen", ist fraglich. Ich würde eher sagen: aus dem Gleichgewicht bringt.
Sie schädigen aber namentlich die Endothelien, und lähmen die Zilien, was zusammen mit der veränderten Zusammensetzung des Sekrets, die bronchiale Selbstreinigung behindert.


Was die Zytokine angeht, Zytokine sind Proteine die eine regulierende Funktionen auf das Wachstum, die Differenzierung (Ausbildung) von Zellen haben. werden diese Vermehrt ins Blut ausgestoßen, für die zu einer Entgleidung mit der möglichen Folge des multiplen Organversagens mit katastrophalen Folgen für den Organismus, vor allem wenn es die Leber betrifft.


Zitat:
"Fulminanter Verlauf nicht eingerechnet."
Das mit dem blitzartigen Verlauf erklär mal näher...
Oder meinst du damit immunsupprimierte Patienten ;-)

in diesem Kontext geht es um überschiessende Freisetzung von Cytokinen, oben auch "cytokine storm" genannt. Es handelt sich um Kaskaden, bei denen eine Substanz die nächste aktiviert etc. Über die Ursachen sagt dies noch nichts aus, diese können völlig unterschiedlich sein. Z.B. Bakterientoxine oder -membranbestandteile, aber auch körpereigene Strukturen wie aktivierte Lymphocyten oder Antikörper. Oder eben auch Viren.
Im Extremfall führt die Cytokinfreisetzung zu Blutdruckabfall, DIC, mit Organversagen in der Folge.
Der folgende Bericht bezieht sich zwar nicht auf AI beschreibt aber die Folgen einer massiven Freisetzung von Zytokinen:

Six healthy young male volunteers at a contract research organization were enrolled in the first phase 1 clinical trial of TGN1412, a novel superagonist anti-CD28 monoclonal antibody that directly stimulates T cells. Within 90 minutes after receiving a single intravenous dose of the drug, all six volunteers had a systemic inflammatory
response characterized by a rapid induction of proinflammatory cytokines and accompanied by headache, myalgias, nausea, diarrhea, erythema, vasodilatation, and hypotension. Within 12 to 16 hours after infusion, they became critically ill, with pulmonary infiltrates and lung injury, renal failure, and disseminated intravascular coagulation.
Severe and unexpected depletion of lymphocytes and monocytes occurred within 24 hours after infusion. All six patients were transferred to the care of the authors at an intensive care unit at a public hospital, where they received intensive cardiopulmonary support (including dialysis), high-dose methylprednisolone, and an antiinterleukin-2 receptor antagonist antibody. Prolonged cardiovascular shock and
acute respiratory distress syndrome developed in two patients, who required intensive organ support for 8 and 16 days. Despite evidence of the multiple cytokine-release syndrome, all six patients survived. Documentation of the clinical course occurring over the 30 days after infusion offers insight into the systemic inflammatory response syndrome in the absence of contaminating pathogens, endotoxin, or underlying disease. (Ganesh Suntharalingam, F.R.C.A., Meghan R. Perry, e.a: Cytokine Storm in a Phase 1 Trial of the Anti-CD28 Monoclonal Antibody TGN1412. NEJM 355;10 www.nejm.org september 7, 2006 .)
Einige Forscher glauben, dass die hohe Mortalität bei jüngeren Jahrgängen 1918 auf diesen Kontext zurückzuführen war. Speziell das 1918 HA (in Zusammenspiel mit dem NA) scheint hohe Zytokinspiegel in Makrophagen mit entzündlichen Lungeninfiltraten und Blutungen zu induzieren. (Siehe u.a. Kobasa D, Takada A, e.a.: Enhanced virulence of influenza A viruses with the haemagglutinin of the 1918 pandemic virus. Nature. 2004 Dec 2;432(7017):549 )

Dass die Zytokine wichtiger Bestandteil der Pathogenese der AI sind, wird durch zahlreiche experimentelle Befunde gestützt.

Einerseits ist die Aktivierung zur Bekämpfung der Krankheit wichtig (Verkürzter und leichterer Verlauf, virale Clearance etc), andererseits kann umgekehrt eine überschiessende Freisetzung bestimmter Zytokine, zB. TNF alfa zu erhöhter Morbidität und Mortalität führen. Je nach Virus, Zeitpunkt und Mechanismus kommt es hierbei sowohl zur Hemmung als auch Aktivierung der Cytokinfreisetzung.

Van Reeth K, Van Gucht S, Pensaert M.: Correlations between lung proinflammatory cytokine levels, virus replication, and disease after swine influenza virus challenge of vaccination-immune pigs.
Viral Immunol. 2002;15(4):583-94.

Kristy J. S., Shivaprakash G., e a :Role of Host Cytokine Responses in the Pathogenesis of Avian H5N1
Influenza Viruses in Mice

CY Cheung MPhila, LLM Poon DPhila, e a : Induction of proinflammatory cytokines in human macrophages by influenza A (H5N1) viruses: a mechanism for the unusual severity of human disease? JOURNAL OF VIROLOGY, Mar. 2007, p. 2736–2744




Zitat:
"Welche Rolle Endothelschädigung mit intravasaler Gerinnung/Blutungen eine Rolle spielt, weiss ich nicht."
´
Eine disseminierte intravasale Koagulopathie bei Influenza ?
Hab ich biss jetzt noch nichts drüber gelesen... Hast du dafür Quellen ?
:Habe ich:
Claas EC, Osterhaus AD, Webster RG e.a.: Human influenza A H5N1 virus related to a highly pathogenic avian influenza virus. Lancet. 1998 Feb 14;351(9101):472-7.

MURAMOTO Yukiko e.a: Highly pathogenic H5N1 influenza virus causes coagulopathy in chickens. Microbiology and immunology 2006, vol. 50, no1, pp. 73-81

Die Endothelschädigung spielt jedenfalls bei vielen AI Virustypen eine zentrale Rolle. Folgen sind Blutungen, Petechien und Ekchymosen und Coagulationsnekrosen. In einigen fällen ist dies auch bei Humanfällen beobachtet worden (Klenk,HD:: Infection of the endothelium by influenza viruses). Bei der 1918 er Pandemie unbekannt, ob dies eine Rolle spielte, allerdings ist in eingien Berichten von "rascher Schwarzverfärbung der Haut" die Rede. Für mich ist das am ehesten mit einer Ekchymose vereinbar.


Die Virus- oder in diesem Fall die Influenzapneumonie kann infolge von einer gestörten Sauerstoffaufnahme zu einer Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) führen und damit zur oben erwähnten Zyanose. Zudem ist ein Blutdruckabfall möglich wenn das Kohlendioxid nicht richtig abgeatmet werden kann dieser Zustand nennt man respiratorische Azidose Kurz erklärt: Das bleibende Kohlendioxid fürt zu einer übersäuerung des Blutes, was eine Erweiterung der Blutgefässe (Vasodilatation) zu Folge hat, dies für zu einer relativen Hypovolämie und damit zum Blutdruck abfall.
Die Viruspneumonie trat angeblich 1918 sehr häufig auf.

Es spricht aber imo nichts gegen die Annahme, dass bakterielle Komplikationen eine grosse Rolle spielten. Kann man daraus folgern, dass diese Pandemie bei Einsatz von Antibiotika heute „blander“ verlaufen würde?