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Thema: Probleme und Krankheiten

Newcastle Disease/ Atypische Geflügelpest - was ist das?

In wenigen Worten
Mehr Wissen

Aus: "Hühner halten" von Beate und Leopold Peitz:

Bei Verdacht auf Atypische Geflügelpest muss sofort Anzeige beim zuständigen Veterinäramt erstattet werden. Eine Behandlung der erkrankten Tiere ist verboten. Unter Umständen müssen alle Tiere getötet werden.

Der Erreger ist das atypische Geflügelpest-Virus. Die Übertragung der Pestviren erfolgt hauptsächlich durch den Kot und durch Nasen- und Rachenschleim. Die Inkubationszeit beträgt etwa 3 - 5 Tage.

Zu den Krankheitserscheinungen gehören Fressunlust, hohes Fieber, grüner und dünnflüssiger Kot. Die kranken Tiere nehmen viel Wasser auf, atmen röchelnd und legen häufig Fliesseier (nachts). Bei mehr chronischem Verlauf können Kopfverdrehungen - der Kopf wird zwischen die Läufe gesteckt und auf den Rücken gelegt - und Rückwärtslaufen beobachtet werden.

Da die atypische Geflügelpest auch in kleinen Herden leider immer wieder ausbricht, ist eine vom Tierarzt auszuführende Impfung sehr zu empfehlen!


Der folgende Text wurde uns freundlicherweise von Michael Schramm zur Verfügung gestellt - vielen Dank!

NewCastle Disease
Aiäre Paramyxoviren des Serotyps 1 sind Auslöser dieser hochansteckenden Krankheit. Sie sollte nicht mit der "Klassischen Geflügelpest" verwechselt werden, die durch Influenzaviren (ähnlich der menschlichen Grippeviren) ausgelöst wird. Empfänglich sind besonders die Hühnervögel, aber auch viele andere Vogelarten (v.a. Wassergeflügel, Strauß und Taube) können das Virus in sich tragen, verbreiten und auch selbst, abhängig von Virusstamm unterschiedlich schwer, erkranken. Bekannt sind vier verschiedene Virustypen, die unterschiedlich schwere Krankheitsbilder auslösen. Innerhalb dieser vier Typen lässt sich das Virus noch weiter durch zahlreiche labortechnische Verfahren unterteilen.

Krankheitserscheinungen
Das gefährlichste ist das sogenannte velogene Newcastle Disease Virus. Es verursacht eine tödlich (bis zu 100% Ausfälle) verlaufende Infektion aller Altersstufen und Nutzungsrichtungen. Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen beträgt ca. 3 bis 6 Tage.

Besonders auffallend sind:

  • drastischer Rückgang der Legeleistung
  • dünnschalige bis schalenlose Eier
  • wässriges Eiklar
  • dünnflüssiger, grünlichgelber Kot, der z.T. mit Blut durchmischt ist

Bei rascher Ausbreitung innerhalb der Herde treten Todesfälle ohne vorher sichtbare Symptome auf. Bei leicht verzögertem Verlauf überwiegen hochgradige Apathie, gänzliches Verweigern von Futter- und Wasseraufnahme, Atemnot, geschwollene Augenlider, bläulich verfärbte Kämme. Tiere, die diese erste Krankheitsphase überlebt haben, fallen später durch Lähmungen der Bein- und Flügelmuskulatur sowie Halsverdrehen auf.

Bei Puten ist die Symptomatik ähnlich, die Inkubationszeit ist etwas verlängert und die Krankheitserscheinungen treten weniger drastisch auf.

Gänse und Enten können ebenfalls erkranken, wobei allgemeine Depression und Bewegungsstörungen auftreten. Besonders gefährlich für die Ausbreitung der Seuche sind jedoch die stummen Träger der Infektion. Sie zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen, können das Virus aber in immensen Mengen z.B. über den Kot ausscheiden.

Tauben gelten als relativ unempfänglich für das ND-Virus (zum Unterschied zur Klassischen Geflügelpest, bei der die Taube mit heftigen Symptomen erkrankt), es treten aber doch im Verlauf von Seuchenzügen auch bei Tauben Infektionen auf, die sich mit Durchfall, Zittern von Kopf und Flügeln, Krampfanfällen sowie Kopfverdrehen bemerkbar machen.

Wesentlich schwächer sind die Krankheitssymptome bei der Infektion mit dem mesogenen Virusstamm. Es dominieren respiratorische Erscheinungen, Rückgang der Futteraufnahme und mindere Eiqualität. Küken erkranken nahezu zu 100 %, erwachsene Tiere bis zu 50 % einer Herde. Die Todesrate liegt je nach Alter zwischen 5 und 50 %.

Noch schwächer sind die Auswirkungen einer Infektion mit dem lentogenen Stamm. Milde bis keine respiratorische Symptome, kurzfristiges Absinken der Legeleistung und der Futteraufnahme treten vor allem bei jüngeren Tieren auf.

Es existiert auch ein avirolenter Stamm, der keinerlei Krankheitserscheinungen verursacht, aber dennoch serologisch nachweisbar ist.

Diagnose
Verendete Tiere zeigen Dehydratation (Austrocknung), Organschwellungen, Hyperämie (vermehrte Blutfüllung) der Eierstöcke und Flüssigkeitsansammlungen in der Nasenhöhle und im Schnabel. Dies sind unspezifische Veränderungen, die bei vielen anderen akut verlaufenden Krankheiten auftreten. Von großem diagnostischen Wert sind die punktförmigen Blutungen, die auf der Drüsenmagenschleimhaut, speziell um die Ausführungsgänge der Magendrüsen, zu finden sind. Aber auch an der Oberfläche des Herzens, des Muskelmagens und an der Innenwand der Leibeshöhle können solche Blutungen auftreten. Bei länger dauerndem Verlauf findet man im Darm trocken-bröckelige Beläge.

Die Diagnose dieser Krankheit ist nicht immer ganz einfach, da die Symptome des akuten Verlaufes denen der Klassischen Geflügelpest sehr ähnlich sind. Auch andere Erkrankungen kommen mit respiratorischen (z. B. ILT, IB,) oder zentralnervalen (AE, Marek, Pasteurellose) Erscheinungen in Frage. Deshalb sind umfassende Untersuchungen im Labor notwendig, um das Virus eindeutig zu identifizieren.

Übertragung der Krankheit
Erkrankte, aber auch Tiere, die sich gerade in der Inkubationszeit befinden und noch gesund erscheinen, scheiden das Virus in großen Mengen über Kot, Körperflüssigkeiten und der Atemluft aus. Dadurch ergeben sich unzählige Möglichkeiten der Verbreitung: der Transport von lebenden oder geschlachteten Tieren, Bruteiern und Eintagsküken, deren Verpackungsmaterial, Geräte, etc...

Auch der Mensch kann mit anhaftendem Stallstaub an Kleidung und Schuhen das Virus verschleppen. Fahrzeuge, die auf kontaminierten Fahrtrouten unterwegs sind, verbreiten die Seuche von Hof zu Hof. Wildvögel, Ratten, Mäuse und Insekten stellen ebenfalls große Risiken dar, ganz besonders in der Freilandhaltung. Der als Dünger auf die Felder aufgebrachte Geflügelkot ist eine zusätzliche große Gefahr.

Bekämpfung
Wurde im Labor festgestellt, dass es sich tatsächlich um den gefährlichen Virusstamm des Serotyps 1 handelt, so werden gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung ergriffen. Es erfolgen Keulungen, Sperren einzelner Höfe, Personen- und Verkehrsbeschränkungen, etc... (geregelt im Tierseuchengesetz und in der ND-Verordnung)

Aber jeder einzelne Betrieb kann selbst auch vorbeugende Maßnahmen ergreifen: Strenge Betriebshygiene mindert auf jeden Fall das Risiko einer Einschleppung. Darunter ist zu verstehen: Nagerbekämpfung, Wildvogelvermeidung, Einschränkung des Fahrzeug- und Personenverkehrs (z.B. Ab- Hof-Verkauf!) am Betrieb (Das kann sogar soweit gehen, dass Mitarbeitern untersagt wird, selbst Nutz- oder Ziergeflügel zu halten, oder in Seuchengebiete auf Urlaub zu fahren!), Errichtung von Desinfektionsschleusen, etc...
(...)

Impfung
In vielen Ländern und auch bei uns (A.d.R.: Österreich) wird die ND geimpft, aber nicht flächendeckend. Dies geschieht meist über das Trinkwasser und muss mehrmals erfolgen, um einen guten Impfschutz zu erzielen. Die Impfviren leben und werden auch von den Tieren eine Zeit lang ausgeschieden. Werden nun Tiere, die aus nicht geimpften Beständen stammen mit frisch geimpften Tieren zusammengebracht, ist es möglich, dass die nicht geimpften Tiere am Impfvirus erkranken. Vor allem Zucht- und Legetiere werden in dieser Form geimpft. Bei Masttieren reicht der Schutz, den die Tiere über das Ei von der Mutter mitbekommen haben (maternale Antikörper), im Normalfall bis zur Schlachtung aus. Bei erhöhtem Infektionsdruck ist eine Schutzimpfung gegen Ende der Mastperiode überlegenswert.

Werden nicht geimpfte Tiere in eine Gegend eingeführt, wo flächendeckend geimpft wird, so besteht zudem die Gefahr, dass diese sich z.B. durch Seuchenherde in der Wildvogelpopulation o.ä. anstecken und die Seuche dann bei diesen extrem drastisch zum Ausbruch kommt. (Dies ist möglicherweise in Italien passiert)

Eine Therapie der ND ist bis heute nicht möglich und, wenn es sich um den bestimmten Virusstamm handelt, der im Gesetz (A.d.R.: Österreich) enthalten ist, sogar verboten.

 

Aus AHO Aktuell:

Die ND ist eine hochansteckende Rubulavirusinfektion der Hühner mit hoher Mortalität und großen Produktionsausfällen bei chronischer Form. Die ND ist weltweit verbreitet und kommt bei Hühnervögeln, Tauben, Enten, Gänsen, Pinguinen, Raben, Papageien, Straußen und Kanarienvögeln vor. Das klinische Bild wird durch hohes Fieber (bis 43°C), Apathie, Niesen, wäßriger Durchfall bestimmt. Der Schnabel und Augen sind mit zähem Schleim bedeckt. Der Großteil der Vögel verendet innerhalb von fünf Tagen. Daneben treten - besonders bei Küken - zentralnervöse Störungen wie Ataxie, Torticollis, Lähmungen und Manegebewegungen auf. Bei Hühnern setzt die Legetätigkeit für Wochen aus.
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Siehe auch
Newcastle Disease in Italien (Sommer 2000)
Gegen ND impfen (Forum)


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